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22.10.2026 · AI Search & Visibility

30-mal mehr Conversions über Google: Was Besuchszahlen über KI nicht zeigen

Michael MohauptVon Michael Mohaupt
GEOMeasurementWeb Analytics

Innerhalb einer Woche sind drei Auswertungen erschienen, die dieselbe Frage stellen: Wie viel bringen KI-Assistenten wie ChatGPT tatsächlich an Besuchen und Conversions? Die Antwort ist eindeutig: im Vergleich zu Google sehr wenig. Die Zahlen sind belastbar. Was sie messen, ist aber nur ein Teil dessen, was eine KI bewirken kann.

30×mehr Conversions über Google als über alle KI-Assistenten zusammen, in zwei Auswertungen mit fast 200 Websites
0,73 %so viel Traffic wie Google organisch schickten alle KI-Assistenten zusammen in der größeren Stichprobe

Quellen: Auswertungen von GA4-Daten aus 100 und 95 Websites über je zwölf Monate, veröffentlicht im Oktober 2026.

Auf einen Blick
  • →Drei Auswertungen aus derselben Woche kommen zum selben Ergebnis: KI-Assistenten schicken nur einen kleinen Bruchteil des Traffics, den Google organisch liefert. Bei den Conversions liegt Google in zwei Studien rund 30-mal vorn.
  • →Ob Besucher aus der KI besser konvertieren, ist dagegen offen. Eine Studie findet einen großen Vorteil, gestützt auf nur 36 Conversions. Eine andere findet kaum einen, und bei jeder dritten Website sogar einen Nachteil.
  • →Analytics zählt nur Besuche, die erkennbar aus einer KI kommen. Ob eine KI die Auswahl beeinflusst hat, bevor jemand bei Google sucht, sieht es nicht. Auch im Direct Traffic ließ sich dieser Einfluss bisher nicht nachweisen.
  • →Wo Unternehmen ihre Kunden selbst fragen, taucht die KI deutlich häufiger auf als in der Klick-Messung. Die Beispiele stammen allerdings vor allem aus der Softwarebranche.
Der Anlass

Drei Auswertungen, ein klarer Abstand

Die Beraterin Marie Haynes hat zwölf Monate Google-Analytics-Daten von 100 Websites ausgewertet, mehr als 145 Millionen Sitzungen. ChatGPT schickte 0,62 % so viele Besuche wie die organische Google-Suche, alle KI-Assistenten zusammen 0,73 %. Die britische Agentur SEO Works kam bei 95 Websites von September 2025 bis August 2026 auf 2,6 %. Die organische Suche lieferte dort also 39-mal so viele Besuche.

Beim Traffic liegen beide Studien also deutlich auseinander. Bei den Conversions stimmen sie dagegen fast überein:

So viele Conversions brachte Google je Conversion über KI-Assistenten
Auswertung mit 100 Websites27-mal so viele
Auswertung mit 95 Websites31-mal so viele

Die dritte Auswertung stammt von Kevin Indig. Er untersuchte bei zwölf Websites, ob der Einfluss der KI im Direct Traffic auftaucht, also bei Besuchen ohne erkennbare Herkunft. Dazu unten mehr.

Einschränkung: Beide Studien mit Conversion-Daten nennen keinen Branchenmix. In der Auswertung mit 100 Websites erfassten nur 55 Websites überhaupt Conversions, insgesamt 964 über Google und 36 über KI-Assistenten.

Was die Zahlen zeigen

Google bleibt der wichtigere Kanal

Für Besuche und Conversions auf der eigenen Website ist das Ergebnis robust. Zwei unabhängige Stichproben kommen beim Abstand der Conversions auf dieselbe Größenordnung. Wer daraus ableitet, dass Google für die meisten Websites Vorrang hat, liegt richtig. Haynes rät auch nicht, KI zu ignorieren. Sie empfiehlt, sich auf Agenten vorzubereiten, die im Auftrag von Kunden suchen und kaufen, etwa über saubere Produktdaten.

Weniger klar ist die Qualität der Besuche. Haynes findet eine Conversionrate von 13,8 % für Besucher aus ChatGPT gegenüber 3,02 % aus der Google-Suche. Das beruht aber auf nur 36 Conversions. SEO Works kommt mit über 5.000 Conversions auf 7,18 % gegenüber 6,08 %, also kaum einen Unterschied. Bei 23 von 63 Websites konvertierten Besucher aus der KI sogar schlechter, bei B2B-Produkten deutlich.

Auch die Entwicklung ist umstritten. Laut Haynes wächst der Traffic aus ChatGPT seit August 2025 nicht mehr und geht seither zurück. Bei SEO Works schrumpfte der Abstand zur organischen Suche nach Mai 2026 von Faktor 44 auf 33.

Was sie nicht zeigen

Gezählt wird nur der letzte Klick

Alle drei Studien messen dasselbe: Besuche, die Google Analytics eindeutig einem KI-Assistenten zuordnen kann. Was davor passiert, bleibt unsichtbar. Eine KI kann eine Frage vollständig beantworten, sodass niemand mehr klickt. Sie kann eine Marke empfehlen, die der Nutzer danach bei Google sucht. Dann zählt der Besuch für Google. Und sie kann zu einem Kauf im Laden oder am Telefon führen.

Oft wird vermutet, dieser Einfluss stecke im Direct Traffic. Kevin Indig hat das geprüft und findet dafür keinen Beleg. Der Anstieg beim Direct Traffic war großteils Bot-Traffic: Eine Website hatte 409.000 Direct-Sitzungen, davon 198 mit echter Nutzung. Einen belastbaren Zusammenhang zwischen der Sichtbarkeit einer Marke in KI-Antworten und ihrem Direct Traffic fand er nicht. Ein Effekt könne trotzdem bestehen, schreibt Indig, mit dieser Methode lasse er sich nur nicht nachweisen.

Dass Klick-Daten unvollständig sein können, haben wir schon im Insight „Weniger ChatGPT-Traffic?“ gezeigt: Eine Woche lang landeten Besuche aus ChatGPT wegen eines Fehlers unter Direct.

Was Kunden selbst sagen

Die Selbstauskunft zeigt die KI häufiger

Ein anderes Bild ergibt sich, wo Unternehmen ihre Kunden direkt fragen, wie sie auf sie aufmerksam geworden sind. Beim Automatisierungsanbieter n8n aus Berlin ordnete Google Analytics rund 1 % der Conversions der KI-Suche zu. In einer Befragung der Kunden waren es rund 9 %. Bei organischer und bezahlter Suche stimmten beide Messungen dagegen ungefähr überein.

Klick-Messung in Google AnalyticsRund 1 % der Conversions aus der KI-Suche
Befragung der KundenRund 9 % der Conversions aus der KI-Suche

Das US-Fintech Ramp hat Direct-Zugriffe auf lange Blog-Adressen untersucht, die kaum jemand von Hand eintippt, und mit den Angaben der Kunden abgeglichen. Ergebnis: 30 bis 40 % dieses Direct Traffics kamen aus Antwortmaschinen.

Einschränkung: Beide Beispiele stammen aus der Softwarebranche und sind nur aus zweiter Hand dokumentiert, Fallzahlen fehlen. Auch Selbstauskünfte sind nicht fehlerfrei: Kunden erinnern sich oft nur an den letzten Kontakt, und „ChatGPT“ ist gerade eine naheliegende Antwort.

„Die Zahlen zeigen, wie viele Menschen von der KI auf die Website kommen. Wie viele die KI vorher auf eine Marke gebracht hat, zeigen sie nicht.“

Dr. Michael Mohaupt, rethink.expert

Für die Priorisierung heißt das: Wer Besuche und Conversions über die Website steigern will, setzt weiter vor allem auf Google. Wer wissen will, ob KI-Assistenten Kunden zur eigenen Marke führen, braucht eine andere Messung als die Klick-Zahlen. Dass Menschen KI und Suchmaschine ohnehin parallel nutzen, zeigt unser Insight „KI ersetzt die Suche nicht“.

Reality Check

Behauptung: „Wenig Traffic aus der KI heißt: KI-Sichtbarkeit lohnt sich nicht.“

Einordnung: Für das Ziel, Besuche und Conversions über die Website zu gewinnen, hat Google für die meisten Websites klar Vorrang: Es liefert ein Vielfaches. Über den Einfluss der KI auf die Markenauswahl sagen die Zahlen aber nichts. Gemessen wurden nur Klicks.

Behauptung: „Besucher aus der KI konvertieren um ein Vielfaches besser.“

Einordnung: Nicht gesichert. Eine Auswertung findet 13,8 % gegenüber 3,02 %, gestützt auf 36 Conversions. Eine andere mit über 5.000 Conversions findet 7,18 % gegenüber 6,08 %, und bei 23 von 63 Websites konvertierte KI-Traffic schlechter.

Behauptung: „Der fehlende KI-Traffic versteckt sich im Direct Traffic.“

Einordnung: Möglich, aber in Analytics bisher nicht nachweisbar. In einer Untersuchung von zwölf Websites war der Anstieg beim Direct Traffic großteils Bot-Traffic. Hinweise liefern eher Kundenbefragungen.

Für die Praxis

Vier Schritte für eine ehrliche Messung

1

Prioritäten nach Conversions setzen, nicht nach Schlagzeilen: Für die meisten Websites bringt Google ein Vielfaches. Investitionen in KI-Sichtbarkeit sollten das nicht verdrängen.

2

Kunden fragen: In Kontaktformular, Anmeldung oder Bestellung die Frage „Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?“ mit der Antwort „KI-Assistent (z. B. ChatGPT)“ aufnehmen und regelmäßig auswerten.

3

Sichtbarkeit in KI-Antworten getrennt messen: Wie oft wird die Marke bei den wichtigsten Fragen genannt, und stimmt, was die KI sagt? Das lässt sich nicht aus Besuchszahlen ablesen.

4

KI-Traffic sauber auswerten: Bots herausfiltern, Verläufe über Monate betrachten und Conversionraten nur bei ausreichend vielen Fällen vergleichen.

Häufige Fragen

KI-Traffic, Conversions und Messung

Sehr wenig. In einer Auswertung von 100 Websites schickten alle KI-Assistenten zusammen 0,73 % so viele Besuche wie die organische Google-Suche, in einer anderen mit 95 Websites 2,6 %. Bei den Conversions lag Google in beiden Studien rund 30-mal vorn.

Das ist nicht gesichert. Eine Studie findet 13,8 % gegenüber 3,02 %, allerdings auf Basis von nur 36 Conversions. Eine größere findet 7,18 % gegenüber 6,08 %, und bei jeder dritten Website konvertierten Besucher aus der KI schlechter.

Ein Teil vielleicht, nachweisen ließ sich das in Analytics bisher nicht. Eine Untersuchung von zwölf Websites fand vor allem Bot-Traffic im Anstieg beim Direct Traffic. Unternehmen, die ihre Kunden befragen, sehen die KI dagegen deutlich häufiger als in der Klick-Messung.

Mit mehreren Methoden zugleich: die Sichtbarkeit der Marke in KI-Antworten, eine Frage nach der Herkunft in Formularen oder bei der Bestellung, und eine saubere Auswertung des erkennbaren KI-Traffics ohne Bots. Keine Methode allein reicht aus.

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