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16.10.2026 · AI Search & Visibility

Weniger ChatGPT-Traffic? Warum die Besuche im Oktober unter Direct landeten

Michael MohauptVon Michael Mohaupt
ChatGPTMeasurementWeb Analytics

Wer für Anfang Oktober einen Einbruch beim ChatGPT-Traffic in seinen Analysen sieht, sollte nicht auf schwindende KI-Sichtbarkeit schließen. Eine Woche lang verrieten Links aus ChatGPT nicht, woher sie kamen. Die Besuche landeten als „Direct“ im Report, also so, als hätte jemand die Adresse selbst eingetippt.

Aktualisiert am 16.10.2026: Laut dem Analysten, der die Verschiebung ausgewertet hat, bestätigte OpenAI ihm einen Fehler. Seit dem 15. Oktober hängt ChatGPT den Herkunftszusatz wieder an, die markierten Klicks lagen danach wieder bei 95 bis 100 % des Vorwochenniveaus. Eine öffentliche Stellungnahme von OpenAI gibt es nicht. Text, Faktencheck und Praxistipps sind entsprechend angepasst.

− 31 Tsd.ChatGPT-Besuche pro Tag, die Analyse-Tools nicht mehr zuordnen konnten
+ 26 Tsd.Direct-Besuche pro Tag mehr, auf denselben Seiten

Rund 500 Seiten mit hohem ChatGPT-Anteil, 9. bis 13. Oktober 2026. Einzelne Auswertung, Details im Text.

Auf einen Blick
  • →Vom 8. bis 15. Oktober, zeitgleich mit dem Start von GPT-6, trugen Links aus ChatGPT keinen Herkunftszusatz und übermittelten auch keinen Referrer. Analyse-Tools konnten solche Besuche nicht mehr ChatGPT zuordnen.
  • →Auf rund 500 Seiten mit viel ChatGPT-Traffic fielen die ChatGPT-Besuche um etwa 31.000 am Tag. Der Direct Traffic auf denselben Seiten stieg im selben Zeitraum um etwa 26.000 am Tag.
  • →Nach Angaben des Analysten, der die Verschiebung ausgewertet hat, bestätigte OpenAI ihm einen Fehler. Seit dem 15. Oktober wird der Zusatz wieder angehängt. Öffentlich hat OpenAI sich nicht geäußert.
  • →Wer für diese Woche einen Einbruch beim KI-Traffic sieht, sollte ihn als Messlücke vermerken. Und die Episode zeigt, wie wenig eine einzelne Kennzahl über KI-Wirkung sagt.
Was passiert ist

Eine Woche ohne Herkunftsangabe

Bisher hängte ChatGPT an Links in seinen Antworten automatisch den Zusatz utm_source=chatgpt.com an. Analyse-Tools wie Google Analytics konnten Besuche damit eindeutig ChatGPT zuordnen. Dieser Zusatz war das entscheidende Signal: Den Referrer, also die Angabe der vorherigen Seite, schickte ChatGPT laut der unten beschriebenen Auswertung nur bei rund 12 % der Klicks mit.

Mit einer Umstellung zwischen dem 8. und 10. Oktober, zeitgleich mit dem Start von GPT-6, fiel auch der Zusatz weg. Links aus ChatGPT öffneten sich ohne ihn und mit einer Einstellung, die den Referrer vollständig unterdrückt. Für das Analyse-Tool sah ein solcher Besuch aus, als hätte jemand die Adresse selbst eingetippt.

Laut Cedric Huesler bestätigte OpenAI ihm am 14. Oktober, dass es sich um einen Fehler handelte. Am Morgen des 15. Oktober begann die Korrektur. Bis zum Vormittag lagen die markierten ChatGPT-Klicks über Tausende Websites wieder bei 95 bis 100 % des Werts eine Woche zuvor. Öffentlich hat OpenAI sich dazu nicht geäußert. Einzelne Fachleute sahen die Korrektur zunächst noch nicht in ihren Konten. Sie dürfte also schrittweise ausgerollt werden.

Vor der UmstellungLink mit Herkunftszusatz: Besuch wird als ChatGPT verbucht
8. bis 15. OktoberKein Zusatz, Referrer unterdrückt: Besuch wird als Direct verbucht
Die Zahlen

Was bei ChatGPT fehlt, taucht bei Direct auf

Cedric Huesler von Adobe hat Daten aus der Analytics-Plattform des Unternehmens ausgewertet. Über Tausende Websites hinweg fielen die ChatGPT zugeordneten Besuche nach der Umstellung auf rund ein Drittel des Werts der Vorwoche (−67 %). Normalerweise schwankt der Wert im Wochenverlauf um etwa ein Fünftel. Nach der Umstellung lag er an allen folgenden Tagen bis zum 13. Oktober nur noch bei rund einem Drittel des üblichen Niveaus.

Genauer hat er sich rund 500 Seiten angesehen, die mindestens 5 % ihres Traffics aus ChatGPT bekommen. Zwischen dem 9. und 13. Oktober fielen dort die ChatGPT-Besuche um etwa 31.000 am Tag, verglichen mit der Woche davor. Der Direct Traffic auf denselben Seiten stieg um etwa 26.000 am Tag. Der Suchmaschinen-Traffic sank um 7 %, was zum allgemeinen Trend passt.

„Most of what ChatGPT ‚lost‘ shows up as direct on the same pages.“

Cedric Huesler, Adobe, Oktober 2026. Sinngemäß: Das meiste, was ChatGPT „verloren“ hat, taucht auf denselben Seiten als Direct auf.

Ein weiterer Wert spricht dafür, dass hier ChatGPT-Besucher unter falschem Etikett ankamen. Wer eine Adresse selbst eintippt, kennt die Website meist schon. Nach der Umstellung waren unter den Direct-Besuchern aber deutlich mehr Neulinge, gemessen daran, wer den Cookie-Banner zu sehen bekam: Auf Mobilgeräten stieg ihr Anteil von 36 auf 44 %. Ein solcher Sprung passt eher zu Besuchern, die von außen auf die Seite geschickt werden, als zu Stammgästen.

Dass all das zeitgleich und auf denselben Seiten passierte, und dass die markierten Klicks nach der Korrektur sofort zurückkamen, ist ein starker Hinweis: Die Besuche waren nicht verschwunden, sie wurden nur anders verbucht. Ein Beweis ist es nicht. Adobe selbst bezeichnet die Daten als Stichprobe, die eine Richtung anzeigt, und bietet selbst Analyse-Werkzeuge an.

Warum das wichtig ist

Ein Messproblem, das wie ein Reichweitenverlust aussieht

Viele Unternehmen messen den Erfolg ihrer KI-Sichtbarkeit am Referral-Traffic aus ChatGPT. Fällt diese Kurve, liegt der Schluss nahe, die Marke werde seltener empfohlen. In dieser Woche wäre genau dieser Schluss falsch gewesen. Ein fehlender Zusatz in der Adresse ließ die Kennzahl um zwei Drittel fallen. Das ist ein Lehrstück dafür, warum Sichtbarkeit, Klick und Geschäftswert nicht aus einem einzelnen Feld im Analyse-Tool abgelesen werden sollten. Im Insight „Wenn KI die Antwort liefert“ haben wir beschrieben, wie weit Referral-Traffic ohnehin nur einen Ausschnitt der KI-Wirkung zeigt.

Reality Check

Behauptung: „OpenAI hat das Tracking bewusst abgeschaltet.“

Einordnung: Nach heutigem Stand nicht. Laut Cedric Huesler bestätigte OpenAI ihm am 14. Oktober einen Fehler, die Korrektur begann am 15. Oktober. Eine öffentliche Stellungnahme von OpenAI gibt es nicht, und in den Versionshinweisen von ChatGPT taucht der Fehler nicht auf.

Behauptung: „Mit der Korrektur ist alles wieder wie vorher.“

Einordnung: Für neue Klicks weitgehend. Die als Direct verbuchten Besuche vom 8. bis 15. Oktober lassen sich nachträglich nicht umbuchen. Und den Referrer schickt ChatGPT weiterhin meist nicht mit. Maßgeblich bleibt der Herkunftszusatz.

Behauptung: „Der gesamte neue Direct Traffic kommt aus ChatGPT.“

Einordnung: Das lässt sich nicht sagen. Der Anstieg passt zeitlich und auf denselben Seiten zum Rückgang, er ist aber kleiner. Ein Teil kann andere Ursachen haben. Eine genaue Umrechnung von Direct auf ChatGPT ist nicht möglich.

Behauptung: „Ein Rückgang im ChatGPT-Report heißt, dass die Marke in ChatGPT an Sichtbarkeit verliert.“

Einordnung: Nicht unbedingt. Sichtbarkeit in der Antwort, Klick und Zuordnung im Analyse-Tool sind drei verschiedene Dinge. Fällt nur die Zuordnung weg, sinkt die Zahl im Report, obwohl sich an Sichtbarkeit und Besuchen nichts geändert hat.

Für die Praxis

Was Sie jetzt tun sollten

1

Die Woche vom 8. bis 15. Oktober im Reporting als Messlücke vermerken, damit niemand den Einbruch später als echten Verlust liest. Für diese Tage ChatGPT- und Direct-Traffic pro Landingpage nebeneinanderlegen.

2

Prüfen, ob die markierten ChatGPT-Besuche im eigenen Konto wieder auf dem alten Niveau sind. ChatGPT-Traffic über den Zusatz utm_source=chatgpt.com zählen, nicht über den Referrer. Den schickt ChatGPT meist nicht mit.

3

Conversions dieser Besuche verfolgen. Bleiben die Abschlüsse auf den betroffenen Seiten stabil, ist eher die Zuordnung verloren gegangen als die Nachfrage.

4

Den ChatGPT-Referral nicht als alleinigen Erfolgsmaßstab nutzen. Die Woche hat gezeigt, wie leicht er bricht. Besser sind mehrere Signale: Sichtbarkeit in KI-Antworten, Traffic-Entwicklung pro Landingpage und Geschäftsergebnisse.

Häufige Fragen

ChatGPT-Traffic und Direct Traffic

Wahrscheinlich nicht wegen weniger Besuchen. Vom 8. bis 15. Oktober trugen Links aus ChatGPT keinen Herkunftszusatz und keinen Referrer. Analyse-Tools verbuchten solche Besuche als Direct Traffic.

Nicht öffentlich. Der Analyst, der die Verschiebung ausgewertet hat, berichtet, OpenAI habe ihm am 14. Oktober einen Fehler bestätigt. Seit dem 15. Oktober wird der Herkunftszusatz wieder angehängt.

Nicht genau. Der Anstieg bei Direct war in der Auswertung kleiner als der Rückgang bei ChatGPT, und nicht jeder Direct-Besuch kommt aus ChatGPT. Der Vergleich pro Landingpage zeigt aber, wo eine Verschiebung wahrscheinlich ist.

Nicht nur über den Referral-Traffic. Besser ist ein Bündel aus Sichtbarkeit in KI-Antworten, Entwicklung von Direct- und Referral-Traffic pro Landingpage und den Conversions auf diesen Seiten.

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