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16.10.2026 · AI Search & Visibility

Google baut den Klick zurück: Aber nur dort, wo die KI ihn noch braucht

Michael MohauptVon Michael Mohaupt
GoogleAI OverviewsZero-Click

Google will aus seinen KI-Antworten wieder mehr Wege ins Web öffnen. Am 15. Oktober kündigte der Konzern mehr und besser platzierte Links in AI Overviews und AI Mode an, dazu einen Test mit einem eigenen Bereich für offizielle Seiten. Auf den zweiten Blick geht es um mehr als die Zahl der Links. Google sortiert sie nach ihrer Aufgabe. Und entscheidet damit auch, wann ein Klick überhaupt noch nötig ist.

Auf einen Blick
  • →Google zeigt in AI Overviews und AI Mode mehr Links und setzt sie weiter nach oben. Zusätzlich testet Google einen eigenen Bereich für offizielle Seiten am Anfang der Antwort.
  • →Die neuen Linkformen haben unterschiedliche Aufgaben: Manche belegen eine Aussage, manche führen dorthin, wo man etwas erledigen muss, andere laden zum Weiterlesen ein.
  • →Zahlen zur Wirkung auf Klicks nennt Google nicht. Auch wie die offiziellen Seiten ausgewählt werden und wo der Test läuft, bleibt offen.
  • →Für Unternehmen wird damit eine neue Frage wichtig: Bei welchen Anliegen braucht die KI-Antwort noch eine Website, und ist die eigene dafür die naheliegende?
Was Google ankündigt

Hema Budaraju, Vice President für Produktmanagement bei Google, beschreibt in einem Blogbeitrag fünf Änderungen für die KI-Funktionen der Suche:

  • Mehr Links im Text. Google habe die Zahl der Links innerhalb der KI-Antworten laufend deutlich erhöht. Sie sollen künftig auch häufiger weiter oben stehen.
  • Ein Bereich für offizielle Seiten (Test). Ist eine Aufgabe nur auf einer bestimmten offiziellen Seite zu erledigen, soll der Link dorthin in einem eigenen Bereich am Anfang der Antwort stehen, mit einem Hinweis, warum er nützlich ist.
  • Mehr Nachrichtenkarussells. Die Karussells mit aktuellen Artikeln kommen in weitere Länder und Sprachen. Sie berücksichtigen auch Quellen, die Nutzer als bevorzugt markiert haben.
  • Auffälligere Links zum Weiterlesen. Am Ende mancher Antworten werden verwandte Artikel größer und mit Vorschaubild gezeigt.
  • Klickbare Namen von Creators (Test). Bei Videos in AI Mode führen Namen von Creators und Verlagen zu deren Profilen in der Suche.

„Sometimes, there are only one or two official places on the web to complete a specific task.“

Hema Budaraju, Google, 15.10.2026. Sinngemäß: Manchmal gibt es im Web nur ein oder zwei offizielle Orte, an denen sich eine bestimmte Aufgabe erledigen lässt.
Die eigentliche Verschiebung

Liest man die Änderungen zusammen, zeigt sich ein Muster. Google behandelt Links nicht mehr als eine einzige Liste von Quellen, sondern nach dem, wofür der Nutzer sie braucht:

Drei Arten von Links in der KI-Antwort
BelegLinks im Text
Zeigen, worauf eine Aussage der Antwort beruht. Der Nutzer muss nicht klicken, um die Antwort zu bekommen.
ErledigungOffizielle Seiten
Führen dorthin, wo sich etwas nur selbst erledigen lässt: ein Antrag, eine Buchung, eine verbindliche Auskunft.
VertiefungKarussells, Weiterlesen
Bieten einen Anschluss für Interessierte. Für das unmittelbare Anliegen sind sie nicht nötig.

Die Einteilung ist unsere Lesart, Google selbst verwendet sie nicht. Sie macht aber sichtbar, was sich verschiebt: Früher konkurrierten Seiten um eine Platzierung in einer Trefferliste. Jetzt beantwortet die KI einen Teil des Anliegens selbst und vergibt danach den Klick für das, was übrig bleibt.

Wo der Klick heute entsteht
Frage
KI-Antwort erledigt einen Teil
Was bleibt offen?
Ausgewählte Seite
Geschäftswert

Das passt zu einer Entwicklung, die wir im Insight „Wer entscheidet, wie viel Antwort auf der Suchseite steht?“ beschrieben haben: Google testet, KI-Antworten standardmäßig ausgeklappt zu zeigen. Je mehr Antwort auf der Suchseite steht, desto mehr hängt der Klick davon ab, was die Antwort nicht leisten kann.

Was offen bleibt

Keine Zahlen, keine Auswahlregeln

Die Ankündigung lässt die wichtigsten Fragen offen. Google nennt keine Zahlen dazu, wie viele Klicks die bisherigen Links gebracht haben oder die neuen bringen sollen. Einzige Zahl im Beitrag: Die Zahl der Nutzer, die bevorzugte Quellen festlegen, sei seit Jahresbeginn auf mehr als das Siebenfache gestiegen. Für den Bereich mit offiziellen Seiten ist weder bekannt, wo er getestet wird, noch nach welchen Regeln Google eine Seite als offiziell einstuft. Und ob mehr sichtbare Links tatsächlich mehr Besuche bringen, muss sich erst in den Daten der Websites zeigen.

Reality Check

Behauptung: „Mehr Links bedeuten mehr Besucher für Websites.“

Einordnung: Das ist nicht belegt. Google nennt keine Zahlen zur Klickwirkung. Mehr sichtbare Links können mehr Klicks bringen, müssen es aber nicht, wenn die Antwort das Anliegen schon weitgehend erledigt.

Behauptung: „Der Bereich für offizielle Seiten kommt jetzt für alle.“

Einordnung: Google beschreibt ihn als Test. Wo, in welchen Sprachen und für welche Suchanfragen er erscheint, sagt Google nicht. Auch nach welchen Regeln eine Seite als „offiziell“ gilt, ist unbekannt.

Behauptung: „Google reagiert damit auf die Kritik von Verlagen.“

Einordnung: Google begründet die Änderungen damit, dass Nutzer leichter tiefer einsteigen sollen. Ob Kritik von Verlagen oder Regulierern eine Rolle spielt, lässt sich aus der Ankündigung nicht ablesen.

Was das für Unternehmen bedeutet

Zitierfähig reicht nicht, die Seite muss etwas erledigen

Für die eigene Website folgt daraus eine Unterscheidung. Als Beleg zitiert zu werden, bringt Sichtbarkeit, aber selten einen Besuch. Den Klick bekommt eher die Seite, auf der das Anliegen tatsächlich erledigt wird: das offizielle Formular, der verbindliche Preis, die Buchung, die aktuelle Öffnungszeit.

Unternehmen sollten deshalb für ihre wichtigsten Kundenanliegen fragen: Erledigt die KI-Antwort das schon? Wenn nicht, was bleibt offen? Und ist unsere Seite eindeutig der Ort, an dem genau das erledigt wird? Wer hier unklar ist, etwa weil Preise, Formulare oder Kontaktwege über mehrere Seiten verstreut sind, macht es der KI schwer, ihn als offizielle Anlaufstelle zu erkennen.

Die KI-Suche schafft den Klick nicht ab. Sie entscheidet aber zunehmend selbst, wofür er noch nötig ist und welche Seite ihn bekommt.

Für die Praxis

Ein Test mit zehn Fragen

1

Zehn wichtige Kundenfragen in AI Overviews und AI Mode stellen und festhalten: Erledigt die Antwort das Anliegen schon vollständig?

2

Notieren, welche Links im Text erscheinen und ob es einen hervorgehobenen Link auf eine offizielle Seite gibt.

3

Für jede Frage benennen, was nach der Antwort noch offen bleibt: ein Formular, ein verbindlicher Preis, eine Buchung, eine aktuelle Auskunft.

4

Prüfen, ob die eigene Website genau diese Restaufgabe an einer klar erkennbaren Stelle erfüllt, und sie dort bündeln, wo sie heute verstreut ist.

Häufige Fragen

Google zeigt mehr Links innerhalb der KI-Antworten und setzt sie häufiger weiter nach oben. Dazu kommen ein Test mit einem eigenen Bereich für offizielle Seiten, Nachrichtenkarussells in weiteren Ländern und Sprachen sowie auffälligere Links zum Weiterlesen.

Ein Test: Lässt sich eine Aufgabe nur auf einer bestimmten offiziellen Seite erledigen, soll der Link dorthin in einem eigenen Bereich am Anfang der Antwort stehen, mit einem Hinweis, warum er nützlich ist. Wo der Test läuft und wie Google die Seiten auswählt, ist nicht bekannt.

Das ist offen. Google nennt keine Zahlen zur Wirkung auf Klicks. Mehr sichtbare Links können mehr Besuche bringen, müssen es aber nicht, wenn die KI-Antwort das Anliegen bereits weitgehend erledigt.

Für die wichtigsten Kundenanliegen prüfen, was nach der KI-Antwort noch offen bleibt, etwa ein Formular, ein verbindlicher Preis oder eine Buchung. Die eigene Website sollte diese Aufgabe an einer klar erkennbaren Stelle erfüllen.

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