Nach der Quelle kommt die Funktion: Google öffnet die Suche für ausführbare Apps
In der KI-Suche konkurrieren Unternehmen bisher darum, zitiert oder empfohlen zu werden. Google erweitert diesen Wettbewerb: Über eine neue Plattform können Unternehmen ihre Dienste direkt in die Suche und in Gemini einbinden, sodass Nutzer dort bestellen, buchen oder planen. Damit geht es nicht mehr nur darum, in der Antwort vorzukommen, sondern auch darum, wer den nächsten Schritt ausführt.
Stand: Nutzerzahl laut Quartalsbericht Juli 2026, Apps laut Ankündigung vom 28.10.2026. Preview mit schrittweisem Zugang, Länder und Sprachen nicht genannt.
- →Unternehmen können ihre Dienste jetzt einmal anbinden und dann in Gemini, in der Google-Suche oder in beiden anbieten. Nutzer sollen dort direkt bestellen, buchen oder andere Aufgaben erledigen können, angemeldet mit ihrem eigenen Konto.
- →Bisher ging es in der KI-Suche darum, als Quelle oder Empfehlung vorzukommen. Jetzt kommt eine weitere Frage dazu: Wer führt den nächsten Schritt aus?
- →Offen ist genau das Entscheidende: Nach welchen Regeln eine App aufgerufen wird, wenn mehrere passen, beschreibt Google nicht. Bekannt ist nur, dass Nutzer eine App einmal verknüpfen und Google über die Zulassung entscheidet.
- →Noch ist es eine Preview mit schrittweisem Zugang. In der Suche ist bisher nur ein kleiner Teil der Apps verfügbar, Länder und Sprachen sind nicht genannt.
Einmal anbinden, in Suche und Gemini handeln
Google hat am 28. Oktober eine Preview der Connected Apps Platform gestartet. Unternehmen binden ihre Dienste darüber einmal an, entweder über einen MCP-Server in der Cloud oder direkt über ihre Android-App. MCP, das Model Context Protocol, ist ein offener Standard, über den KI-Systeme auf externe Dienste zugreifen. Danach entscheiden die Entwickler, ob ihre App in der Google-Suche, in Gemini oder in beiden erscheinen soll. Vor dem Start prüft Google jede App.
Nutzer verknüpfen eine App einmal mit ihrem Konto, angemeldet wird über den Standard OAuth. Danach kann Gemini im Namen des Nutzers mit dem Dienst arbeiten: Lebensmittel bestellen, eine Playlist anlegen, eine Tischreservierung bestätigen. Unternehmen sehen nach dem Start Traffic, Antwortzeiten und Fehlerraten ihrer App und können verifizierte Logos und Konten hinterlegen.
Zu den Startpartnern gehören Adobe, Peloton, die Wirtschaftsauskunftei Experian, die Meditations-App Calm und der brasilianische Autovermieter Localiza. Die meisten sind zunächst nur in Gemini verfügbar, die Suche soll in den kommenden Wochen folgen. Insgesamt nennt Google über 50 gestartete Apps, etwa aus Produktivität, Ticketverkauf sowie Gesundheit und Fitness.
Wer den nächsten Schritt ausführt, entscheidet Google
Gerade die Aufruflogik ist für Unternehmen die wichtigste Frage. Wenn ein Nutzer in der Suche einen Tisch reservieren will und mehrere Reservierungsdienste angebunden sind, entscheidet Google, welcher zum Zug kommt. Naheliegend, aber nicht belegt, ist eine Vermutung: Wer bereits verknüpft ist, hat einen Vorsprung, den Inhalte allein kaum ausgleichen. Denn die Verknüpfung passiert einmal, und danach ist die App überall erreichbar.
Behauptung: „Wer eine App anbindet, wird in der Suche bevorzugt.“
Einordnung: Dafür gibt es keinen Beleg. Google sagt nichts darüber, wann eine App aufgerufen oder vorgeschlagen wird und ob eine Anbindung die Darstellung in den übrigen Suchergebnissen beeinflusst.
Behauptung: „Ab jetzt laufen Bestellungen und Buchungen über die Google-Suche.“
Einordnung: Noch nicht. Es ist eine Preview mit schrittweisem Zugang und Prüfung durch Google. Die meisten Startpartner sind zunächst nur in Gemini verfügbar, die Suche soll in den kommenden Wochen folgen. Zahlen zu Nutzung oder Abschlüssen gibt es nicht.
Behauptung: „Das ist eine völlig neue Idee.“
Einordnung: Nein. Bei ChatGPT gibt es Apps auf Basis desselben offenen Standards, des Model Context Protocol, schon seit Herbst 2025. Neu ist, dass Google sie in die Suche bringt, also dorthin, wo die meisten Kaufreisen noch beginnen.
Die dritte Auswahl nach Nennung und Produktwahl
Wie KI-Agenten zwischen Produkten wählen, haben wir in „Nach der Nennung kommt die Auswahl“ beschrieben. Connected Apps fügen der Kette eine weitere Stufe hinzu: Nach der Frage, welches Produkt die KI wählt, kommt die Frage, über welchen Dienst sie die Handlung ausführt.
Das schließt an ein Muster an, das wir seit Längerem beobachten. In „Nach Zero Click kommt Zero Interface“ ging es darum, dass KI-Systeme einfache Werkzeuge selbst in der Antwort erzeugen. Connected Apps gehen einen Schritt weiter: Auch die Handlung, für die Nutzer bisher auf eine Website oder in eine App wechseln mussten, kann in der Suche bleiben. Unser Resolution Paradox beschreibt diesen Effekt: Je besser die KI das Anliegen selbst erledigt, desto weniger Anlass bleibt für direkten Kontakt.
Für Unternehmen ist das kein Grund zur Abwehr, sondern eine Abwägung. Eine Anbindung bringt Reichweite dorthin, wo Kunden ohnehin fragen. Sie verlagert aber einen Teil der Kundenbeziehung in eine Oberfläche, deren Regeln ein anderer setzt. Wer im Namen von Kunden handeln darf, ist damit auch hier eine strategische Entscheidung, wie in „Reinlassen, aussperren oder selbst anbieten“ beschrieben.
Zu diesen Regeln gehört auch die Werbung. Für die neue Plattform hat Google dazu nichts gesagt. Ein Hinweis kommt aus einem benachbarten Bereich: Seit dem 16. Oktober testet Google Anzeigen im AI Mode bei Nutzern, die Gmail, Kalender oder Fotos über Personal Intelligence mit der Suche verknüpft haben. Was die KI aus diesen verknüpften Diensten ableitet, darf dort in die Anzeigenauswahl einfließen, wie in „Die KI kennt den Kontext und wählt die Anzeige“ beschrieben. Das sind Googles eigene Dienste, nicht die Apps fremder Anbieter. Ob Google bei angebundenen Apps ähnlich vorgeht, ist offen. Unternehmen sollten vor einer Anbindung aber klären, ob neben ihrer App auch Anzeigen von Wettbewerbern erscheinen können.
„Bisher war die Frage, ob die KI über uns spricht. Jetzt kommt die Frage dazu, ob sie für uns handelt, und zu wessen Bedingungen.“
Dr. Michael Mohaupt, rethink.expert
Lohnt sich eine Anbindung? Fünf Fragen
Für die fünf wichtigsten Kundenanliegen lässt sich prüfen, ob eine Anbindung überhaupt sinnvoll ist:
Kann die Suche das Anliegen schon mit einer Antwort erledigen? Dann bleibt keine Handlung, die eine App ausführen müsste.
Welche Handlung bleibt danach offen? Bestellen, buchen, einen Termin vereinbaren, einen Status abfragen.
Braucht sie persönliche Kontodaten oder Echtzeitinformationen? Genau dort ist eine Anbindung stärker als jeder Inhalt, weil die KI diese Daten sonst nicht hat.
Lässt sie sich sicher in einem klar abgegrenzten Ablauf ausführen? Was darf die KI im Namen des Kunden tun, und was muss er selbst bestätigen?
Welcher messbare Geschäftsschritt entsteht? Nur wenn ein klarer, wiederkehrender Handlungsbedarf mit Geschäftswert besteht, lohnt sich der Aufwand.
Apps in der Google-Suche
Dienste von Unternehmen, die über eine einmalige Anbindung in Gemini und der Google-Suche verfügbar werden. Nutzer verknüpfen sie mit ihrem Konto und können dann direkt dort bestellen, buchen oder andere Aufgaben erledigen.
Das hat Google nicht veröffentlicht. Bekannt ist nur, dass Nutzer eine App einmal verknüpfen und Google jede App vor dem Start prüft. Ob und wie eine Anbindung die übrige Darstellung in der Suche beeinflusst, ist offen.
Das ist unklar. Es handelt sich um eine Preview mit schrittweisem Zugang, Länder und Sprachen nennt Google nicht. Die meisten Startpartner sind zunächst nur in Gemini verfügbar.
Für solche, bei denen nach der Antwort eine klar abgegrenzte, wiederkehrende Handlung bleibt, die Kontodaten oder Echtzeitinformationen braucht, etwa Bestellungen, Buchungen oder Terminvereinbarungen. Wo eine Antwort das Anliegen bereits erledigt, bringt eine App wenig.
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