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Insight · 3. September 2026 · AI Search & Visibility

GEO trifft nicht alle Geschäftsmodelle gleich: Wer strukturell profitiert, wer verliert

Michael MohauptVon Michael Mohaupt
GEOBusiness ModelE-Commerce

KI-Antworten ersetzen zunehmend den Klick auf eine Website – aber nicht für jedes Geschäftsmodell gleich. Wer profitiert von einer Empfehlung im Chat, unabhängig vom Kaufort, und wer verliert strukturell, weil das eigene Geschäft auf genau diesem Klick aufbaut?

0,0 %Anteil von ChatGPT-Referrals an allen Sessions – Kaiser/Schulze-Studie, Aug. 2024–Jul. 2025
< 0 %Anteil von LLM-Referrals an allen Sessions – unabhängige Amsive-Studie, 54 Websites, 2025

Drei Studien widersprechen sich bei der Conversion-Rate (CVR) von ChatGPT-Traffic – schlechter, gleich, sogar besser. Für klickbasierte Geschäftsmodelle wie Affiliate-Marketing bedeutet das trotzdem: strukturell verlieren – unabhängig davon, welcher Studie man folgt, bleibt der Traffic-Anteil verschwindend klein.

Auf einen Blick
  • Strukturelle Gewinner: Hersteller (eine Empfehlung wirkt unabhängig vom Kaufort), Anbieter komplexer B2B-Produkte (KI hilft, ins Relevant Set zu kommen, bevor die klassische Recherche beginnt), lokale Anbieter mit direktem Besuchsbezug.
  • Strukturelle Verlierer: werbefinanzierte Publisher (Erlösmodell braucht Seitenaufrufe), Affiliate-Modelle (Klickvolumen bricht weg), austauschbare Händler ohne eigene Markenpositionierung.
  • Studien zur Conversion-Rate von ChatGPT-Referral-Traffic widersprechen sich deutlich: von 86 % niedrigerer Conversion-Rate als Affiliate-Traffic (Kaiser/Schulze-Studie, Aug. 2024–Jul. 2025) bis 31 % höherer Conversion-Rate als organische Suche (Visibility Labs, 94 E-Commerce-Marken, 2025) – übereinstimmend zeigen aber alle Studien: Der Anteil von ChatGPT-Referrals bleibt unter 1 % aller Sessions.
  • Einschränkung für D2C-Marken: Wer auf den Verkauf im eigenen Shop angewiesen ist, verliert bei einem Kauf über Dritte Marge und Kundendaten – der Kaufort ist eben nicht ganz egal.
Was ist passiert

GEO wirkt nicht neutral über alle Geschäftsmodelle

Ob eine KI-Empfehlung einem Unternehmen nützt oder schadet, hängt stark davon ab, wie das eigene Geschäftsmodell funktioniert. Hersteller profitieren von einer positiven Empfehlung im Chat unabhängig davon, wo am Ende gekauft wird – im eigenen Shop, bei einem Händler oder im Ladengeschäft. Die Empfehlung wirkt, ohne dass dafür ein Klick nötig wäre. Ähnlich sieht es bei komplexen, beratungsintensiven Produkten aus, gerade im B2B-Bereich: Chat-Systeme helfen Nutzern, ein Problem zu verstehen und Anbieter einzugrenzen – wer hier genannt wird, ist im Relevant Set, bevor die klassische Recherche überhaupt beginnt. Auch lokale Anbieter profitieren häufig, wenn die KI-Antwort direkt in einen Besuch oder eine Anfrage mündet.

Strukturell anders sieht es für werbefinanzierte Publisher aus: Ihr Erlösmodell braucht Seitenaufrufe – ein System, das Antworten gibt statt Klicks zu verteilen, kann dieses Modell nicht bedienen, egal wie „sichtbar“ der Publisher in den Antworten selbst ist. Noch deutlicher – aber umstrittener – zeigt sich das Problem bei Affiliate-Modellen. Wie stark die Conversion-Rate von ChatGPT-Traffic abweicht, hängt stark davon ab, welche Studie man zurate zieht: Maximilian Kaiser (Universität Hamburg) und Christian Schulze (Frankfurt School of Finance & Management) fanden in einer Studie über 973 E-Commerce-Shops mit 20 Mrd. $ Umsatz (Aug. 2024–Jul. 2025) eine um 86 % niedrigere Conversion-Rate von ChatGPT-Referrals gegenüber Affiliate-Traffic und eine um 13 % niedrigere gegenüber organischer Suche. Visibility Labs kam bei 94 E-Commerce-Marken (2025) zum genau gegenteiligen Ergebnis: ChatGPT konvertierte 31 % besser als nicht-markenbezogene organische Suche. Und Amsive fand in einer dritten Untersuchung über 54 Websites gar keinen signifikanten Unterschied.

Conversion-Rate (CVR) von ChatGPT/LLM-Referrals im Studienvergleich
CVR ggü. Affiliate-Traffic (Kaiser/Schulze-Studie)−86 %
CVR ggü. organischer Suche (Kaiser/Schulze-Studie)−13 %
CVR ggü. organischer Suche (Amsive)kein Unterschied
CVR ggü. organischer Suche (Visibility Labs)+31 %
schlechterbesser

Ob KI-Traffic besser oder schlechter konvertiert, ist angesichts dieser widersprüchlichen Befunde letztlich zweitrangig: Auch die beste Conversion-Rate rettet kein Klickmodell, wenn die Klickmenge wegbricht – und beim winzigen Traffic-Anteil sind sich alle drei Studien einig.

Ein dritter Verlierer-Typ sind austauschbare Händler ohne eigene Markenpositionierung: Wer keine erkennbare Reputation als guter Händler aufgebaut hat, ist in einer KI-Empfehlung beliebig ersetzbar – vor allem, wenn Chat-Systeme künftig Einkäufe direkt abwickeln. Dann bleibt vom Händler im schlechtesten Fall nur noch die Logistik übrig.

Strukturelle Gewinner
HerstellerProfitieren unabhängig vom Kaufort – die Empfehlung wirkt, ohne dass dafür ein Klick nötig wäre.
B2B-Anbieter komplexer ProdukteKommen ins Relevant Set, bevor die klassische Recherche überhaupt beginnt.
Lokale AnbieterProfitieren, wenn die KI-Antwort direkt in einen Besuch oder eine Anfrage mündet.
Strukturelle Verlierer
Werbefinanzierte PublisherIhr Erlösmodell braucht Seitenaufrufe – ein System, das Antworten statt Klicks verteilt, kann das nicht bedienen.
Affiliate-ModelleKlickvolumen bricht weg – selbst eine bessere Conversion-Rate rettet kein Klickmodell ohne Klickmenge.
Austauschbare HändlerOhne eigene Markenpositionierung beliebig ersetzbar – die Empfehlung wirkt für die Produktmarke, nicht für den Verkaufsort.
Warum das relevant ist

Der Kaufort ist nicht immer egal

Für D2C-Marken (Direct-to-Consumer, also Anbieter, die direkt an Endkunden verkaufen statt über Händler) gilt eine wichtige Einschränkung: Wer auf den Verkauf im eigenen Shop angewiesen ist, dem ist der Kaufort eben nicht ganz egal – ein Kauf über Dritte kostet Marge und Kundendaten, selbst wenn die KI-Empfehlung positiv ausfällt.

Reality Check

Behauptung:GEO lohnt sich für jedes Unternehmen gleichermaßen.

Einordnung: Nein. Hersteller, B2B-Anbieter beratungsintensiver Produkte und lokale Anbieter profitieren strukturell, werbefinanzierte Publisher und reine Affiliate-Modelle verlieren strukturell.

Behauptung:Eine gute Conversion-Rate reicht, um KI-Traffic wirtschaftlich relevant zu machen.

Einordnung: Nein – unabhängig davon, welcher Studie man folgt. Selbst wenn ChatGPT-Traffic besser konvertiert, wie manche neuere Studien zeigen, bleibt sein Volumen so klein, dass es ein Klickmodell nicht retten kann.

Behauptung:Ein austauschbarer Händler profitiert genauso von GEO wie ein Hersteller mit eigener Marke.

Einordnung: Nein. Ohne erkennbare Reputation ist ein Händler in einer KI-Empfehlung beliebig ersetzbar – die Empfehlung wirkt für die Produktmarke, nicht für den Verkaufsort.

Was das für Unternehmen heißt

Das eigene Geschäftsmodell ehrlich einordnen

1

Vor jeder GEO-Priorisierung lohnt sich die ehrliche Einordnung des eigenen Geschäftsmodells: Wer strukturell gewinnt (Hersteller, B2B, lokal), sollte investieren; wer strukturell verliert (klickbasierte Publisher/Affiliates), sollte eher nach neuen Erlösmodellen suchen als nach reiner GEO-Optimierung.

2

D2C-Marken sollten die Kaufort-Frage aktiv im Blick behalten – eine positive KI-Empfehlung hilft, ersetzt aber keinen Verkauf im eigenen Shop.

3

Händler ohne eigene Markenpositionierung sollten in Reputation und Differenzierung investieren, bevor sie GEO-Budget für reine Sichtbarkeit ausgeben – sonst wirkt die Empfehlung für die Marke, nicht für sie selbst.

Verwandter Gedanke

Dieselbe Traffic-Verschiebung, hier auf Geschäftsmodell-Ebene

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Wie Sie das eigene Geschäftsmodell realistisch auf GEO-Chancen und -Risiken einordnen.

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