Zweite Wahl für die KI-Suche: Was DeepSeeks erstmals einsehbare Quellenbewertung über Instagram, YouTube und Presseportale verrät
Wie KI-Suchen Quellen gewichten, war bisher Spekulation. Seit Mitte Oktober lässt sich bei DeepSeek erstmals nachsehen: Die hauseigene Suchmaschine gibt jeder Quelle eine Autoritätsstufe von 0 bis 4, öffentlich abfragbar über ihre Schnittstelle für Entwickler. Erst ab Stufe 3 gilt eine Quelle laut DeepSeek als besonders maßgeblich („highly authoritative“). Wir haben 6.060 Websites gemessen, darunter 74 Plattformen, auf denen Unternehmen veröffentlichen. Das Ergebnis: Die meisten großen Plattformen erreichen diese Schwelle nicht. Und die Stufe hängt mit Verlinkung und Bekanntheit zusammen, kaum mit Reichweite.
Eigene Erhebung über DeepSeeks Such-API und Google, 29. Oktober 2026: 120 Suchanfragen, 6.060 Websites, 74 Plattformen.
- →Erstmals lässt sich nachsehen, wie eine KI-Suche Quellen gewichtet: DeepSeeks Suche gibt jeder Website eine Autoritätsstufe von 0 bis 4, ab 3 gilt sie als besonders maßgeblich. Wir haben 6.060 Websites gemessen.
- →Die meisten Plattformen, auf denen Marken veröffentlichen, erreichen diese Einstufung erst gar nicht: 41 von 67, die DeepSeeks Suche kennt. Facebook steht auf Stufe 1; Instagram, TikTok, YouTube, Reddit und die deutschen Presseportale auf 2. X, Bluesky und Vimeo fanden wir im Index gar nicht.
- →Die Stufe hängt mit dem Ranking zusammen: Kein Treffer der untersten Stufe erreichte in unserer Messung DeepSeeks eigene Ranking-Schwelle „hochwertig“, auf der höchsten Stufe waren es 64 %.
- →Hohe Stufen haben, wer gut verlinkt und bekannt ist, nicht, wer viele Besucher hat: Bei sonst gleichen Werten sind die Chancen auf eine höhere Stufe mit Wikidata-Eintrag rund dreimal so hoch, bei zehnmal besserer Verlinkung gut doppelt so hoch, bei mehr Besuchern sogar etwas geringer. Junge Domains erreichen die Einstufung „besonders maßgeblich“ deutlich seltener als alte.
- →Marken-Websites sind solide, aber selten erste Wahl: Fast alle DAX- und MDAX-Hauptseiten stehen auf Stufe 3. Bei fast jeder vierten Marke ist eine eigene Subdomain, etwa für Blog, Shop oder Presse, tiefer eingestuft als die Hauptseite.
- →Google und DeepSeek sehen Quellen unterschiedlich: Ein Drittel der Websites aus Googles Top 3 liegt bei DeepSeek auf Stufe 2 oder tiefer. Und deutsche Behörden stehen seltener ganz oben als US-Behörden: 74 % gegenüber 96 % ihrer Treffer auf Stufe 4.
Eine KI-Suche zeigt ihre Bewertung
Am 17. Oktober 2026 hat DeepSeek seine Such- und Abruf-Schnittstelle geöffnet. Entwickler können damit dieselbe Suchmaschine nutzen, die laut DeepSeek auch die Websuche des Unternehmens betreibt. Jeder Treffer kommt mit zwei Werten: einem Ranking-Wert von 0 bis 3, der laut Dokumentation Relevanz, Autorität und Aktualität verbindet, und einer Autoritätsstufe von 0 bis 4. Ab Stufe 3 gilt eine Quelle als besonders maßgeblich, ab einem Ranking-Wert von 1,5 ein Treffer als hochwertig. Wie die Stufe berechnet wird, legt DeepSeek nicht offen. Andere Such-Schnittstellen liefern Relevanzwerte, eine ausgewiesene Autoritätsbewertung hat nach unserem Kenntnisstand bisher keine KI-Suche öffentlich zugänglich gemacht.
„Für GEO, also die Optimierung für KI-Antworten, ist das ein neuer Einblick: Bisher ließ sich nur aus fertigen Antworten zurückschließen, welche Quellen eine KI-Suche bevorzugt. Hier zeigt ein System selbst, wie es eine Website als Quelle einstuft – noch bevor eine Antwort entsteht.“Dr. Michael Mohaupt, rethink.expert
Wichtig für alles Weitere: Die Stufe gilt nicht für einzelne Seiten, sondern für die ganze Website, genauer für den Hostnamen. Eine Pressemitteilung auf einem Presseportal trägt also dieselbe Stufe wie alles andere dort, egal wie gut sie ist. Und de.linkedin.com und www.linkedin.com zählen als zwei verschiedene Websites.
Diese Bewertung betrifft nicht nur DeepSeeks eigene Nutzer. Sie steckt überall dort drin, wo DeepSeeks Suchmaschine die Quellen liefert:
- in DeepSeeks Websuche und in jeder App, die DeepSeeks Such-API einbindet,
- in Claude Code und Codex, wenn man sie statt mit Anthropic bzw. OpenAI mit DeepSeek als Anbieter betreibt: Ihre Websuche läuft dann laut DeepSeek über dessen Such-API.
Und DeepSeek ist bei Entwicklern gefragt: Auf OpenRouter, der größten Vermittlungsplattform für KI-Modelle, ist es seit Mitte Mai das meistgenutzte Modell; in der Woche ab 26. Oktober entfielen fast 30 % aller Anfragen dort auf DeepSeek-Modelle. Wer das Modell direkt über DeepSeeks API einsetzt, bekommt die Websuche gleich mit. Je mehr Agenten so gebaut werden, desto mehr Antworten stützen sich auf Quellen, die DeepSeeks Bewertung durchlaufen haben. Welche Quellen ein Agent bei der Websuche findet, bestimmt also nicht das Modell, sondern die Suche dahinter („Gleiches Modell, andere Quellen“).
6.060 Websites, 74 Plattformen
Am 29. Oktober haben wir 120 Suchanfragen an DeepSeeks Such-API gestellt, je 60 auf Deutsch und Englisch zu sechs Themen von Finanzen über Gesundheit bis Reisen, mit deutschem und US-amerikanischem Standort. Je Thema und Sprache waren es fünf Info-Anfragen wie „erkältung symptome“ und fünf Kaufanfragen wie „kfz-versicherung berechnen“. Die Anfragen haben wir nach festen Regeln aus häufigen Google-Suchen gezogen, nicht von Hand ausgewählt. Dazu kamen dieselben Anfragen bei Google, außerdem 74 Plattformen, auf denen Unternehmen veröffentlichen, sowie die Websites der DAX- und MDAX-Unternehmen und von 167 Marken. Für alle diese Websites haben wir die Stufe erfasst und mit frei zugänglichen Maßen für Verlinkung, Besucherzahlen, Bekanntheit und Alter verglichen. Plan, Hypothesen und Auswertungsregeln standen vor der Messung fest.
Wir sind nicht die Ersten, die sich die Werte ansehen. Suganthan Mohanadasan hat in den ersten Tagen rund 4.300 Treffer ausgewertet und gezeigt, dass die Stufe je Hostname gilt – und dass auch Spam-Dateien auf Behörden- und Hochschul-Websites Stufe 4 bekommen. Hanns Kronenberg fand die Stufe über 100 identische Abrufe stabil, Tom Brigl beschrieb erste Beobachtungen zu Plattformen und zu per JavaScript geladenen Inhalten. OGTool sah bei 87 Marken-Websites einen deutlichen Zusammenhang zwischen Stufe und Backlinks. Unsere Erhebung baut darauf auf und ergänzt drei Dinge:
- Vier Erklärungen im Vergleich: Für jede Website haben wir Verlinkung, Besucherzahlen, Bekanntheit und Alter erfasst. Erst so lässt sich sagen, ob Reichweite zählt oder Verlinkung.
- Echte Suchtreffer: Die Websites stammen aus DeepSeeks Antworten auf 120 Suchanfragen, also aus dem, was Nutzer tatsächlich zu sehen bekommen.
- Die Orte, an denen Marken veröffentlichen: 74 Plattformen von Instagram bis zu den Presseportalen, gezielt gemessen.
Warum die Autoritätsstufe zählt
Die Stufe ist kein bloßes Etikett. DeepSeek gibt an, dass die Autorität in den Ranking-Wert jedes Treffers einfließt, und dazu passen unsere Daten: Kein einziger von 200 Treffern auf Stufe 1 erreichte die Ranking-Schwelle, ab der DeepSeek einen Treffer als hochwertig bezeichnet – auf Stufe 4 waren es 64 %. Treffer auf Stufe 4 stehen auch häufiger weit vorn: 40 % von ihnen landeten unter den ersten zehn Ergebnissen einer Suche, doppelt so oft wie der Durchschnitt aller Treffer (20 %). Bei Stufe 1 waren es nur 8 %.
Hinweis: Diese Auswertung war nicht vorab geplant; wir haben sie ergänzt, nachdem wir DeepSeeks Beschreibung des Ranking-Werts ausgewertet hatten.
Zugleich ist Stufe 3 in DeepSeeks Treffern der Normalfall – damit gilt eine Quelle schon als besonders maßgeblich. Stufe 4 ist die Ausnahme:
Websites auf Stufe 1 oder 2 sind also in der Minderheit, und ihre Treffer erreichen fast nie DeepSeeks Ranking-Schwelle „hochwertig“. Genau dort stehen die meisten Plattformen, auf denen Marken veröffentlichen.
Instagram, YouTube, Presseportale: zweite Wahl
Von den 67 Plattformen, die DeepSeeks Suche kennt, liegen 41 auf Stufe 1 oder 2. Das sind fast alle Orte, an denen Unternehmen selbst veröffentlichen können, ohne dass eine Redaktion prüft. Die übrigen 7 der 74 gemessenen Plattformen lieferten auf unsere „site:“-Abfrage gar keinen eigenen Treffer, darunter X, Bluesky und Vimeo:
Die Ausnahme sind die großen internationalen Presseverteiler (Newswires): PR Newswire, Business Wire und GlobeNewswire stehen auf Stufe 3 oder 4, die deutschen Presseportale auf Stufe 2. Dieselbe Pressemitteilung wird also je nach Verteiler sehr unterschiedlich eingestuft.
Zwei Details fallen auf. LinkedIn wird nach Subdomain bewertet: www.linkedin.com liegt auf Stufe 3, die Länderseiten wie de.linkedin.com auf Stufe 2. Deutschsprachige Beiträge gibt LinkedIn unter de.linkedin.com aus; DeepSeek führte in unserer Stichprobe 35 von 57 davon dort und 22 unter www. Derselbe Beitrag kann also Stufe 2 oder 3 tragen, je nachdem, unter welcher Adresse er erfasst wurde. Und bei Blog-Plattformen bekommt jeder Blog eine eigene Stufe: Blogs auf Blogspot liegen meist auf Stufe 1, auf Substack und WordPress.com meist auf Stufe 2.
„Viele Marken setzen für ihre wichtigsten Aussagen auf Profile, Presseportale und Plattformen. Für DeepSeek sind genau diese Orte meist zweite Wahl. Die Frage ist nicht mehr nur, wo eine Botschaft Reichweite bekommt, sondern wo KI-Suchen sie als Quelle ernst nehmen.“Dr. Michael Mohaupt, rethink.expert
Bekannt schlägt besucht
Womit hängt die Einstufung zusammen? Wir haben sie mit frei verfügbaren Maßen für Verlinkung, Bekanntheit, Alter und Besucherzahlen verglichen. Am stärksten ist der Zusammenhang mit Verweisen anderer Websites, am schwächsten mit den tatsächlichen Besucherzahlen:
Verlinkung: vorab festgelegtes Maß aus dem offenen Common-Crawl- Webgraph. Ein zweiter Linkindex (Majestic) zeigt mit 0,46 dieselbe Richtung, erfasst aber nur einen Teil der Websites.
Betrachtet man alle Maße gemeinsam, bleiben drei mit eigenem Gewicht: Mit einem Wikidata-Eintrag sind die Chancen auf eine höhere Stufe rund dreimal so hoch, bei zehnmal besserer Verlinkung gut doppelt so hoch, je zehn Jahre Alter der Domain anderthalbmal so hoch. Höhere Besucherzahlen gehen bei sonst gleichen Werten sogar mit etwas geringeren Chancen einher:
Ordinales logistisches Modell, 3.589 Websites aus DeepSeeks Treffern; 1-fach = kein Unterschied. Zusammenhang, keine Ursache.
73 % der Websites auf Stufe 4 gehören zu einer Organisation mit Wikidata-Eintrag, auf Stufe 1 sind es 3 %. Die großen Plattformen zeigen, dass Reichweite allein nicht reicht: YouTube, Instagram und TikTok sind enorm besucht und gut verlinkt – und stehen trotzdem auf Stufe 2, Facebook sogar auf Stufe 1. Eine naheliegende Erklärung ist, dass dort jeder veröffentlichen kann; belegen lässt sich das mit unseren Daten nicht. Ein Einzelfall aus unserer Vorstudie passt dazu: Beim MIT steht das Wirtschaftsmagazin sloanreview.mit.edu auf Stufe 4, die Lernplattform scratch.mit.edu, auf der Kinder eigene Projekte veröffentlichen, auf Stufe 2 – obwohl Scratch nach Schätzungen rund 1.000-mal mehr Besucher und sogar mehr Backlinks hat.
Auch große deutsche Portale stehen unten: Kleinanzeigen und gutefrage.net, wo Nutzer selbst einstellen, aber ebenso CHECK24. Alle drei gehören zu den meistbesuchten Websites in Deutschland, sind gut verlinkt und liegen auf Stufe 2. Das Vergleichsportal idealo steht dagegen auf Stufe 3. Woran DeepSeek das unterscheidet, zeigen unsere Daten nicht.
Auch das Alter der Domain hat eigenes Gewicht – nicht nur, weil ältere Domains meist bekannter und besser verlinkt sind: Bei sonst gleichen Werten ist die Chance auf eine höhere Stufe je zehn Jahre anderthalbmal so hoch. Insgesamt ist der Unterschied groß: Von den Domains, die erst seit 2020 online sind, erreicht nur gut die Hälfte (53 %) die Einstufung „besonders maßgeblich“, von den Domains, die schon vor 2005 online waren, 91 %. Für Google ist das Domain-Alter nach eigener Aussage kein Rankingsignal. Wer für eine Kampagne oder ein neues Produkt eine eigene Domain startet, beginnt bei DeepSeek also eher unten. Ob eine Domain mit den Jahren aufsteigt, haben wir nicht gemessen.
„Das Muster ist deutlich: Gewicht hat, wer verlinkt und bekannt ist. Wer nur auf Reichweite optimiert, zielt an dieser Bewertung vorbei.“Dr. Michael Mohaupt, rethink.expert
Marken-Websites: solide, aber selten Spitze
Was das für Marken heißt, zeigen die DAX- und MDAX-Unternehmen. Von den 84 Hauptseiten, die DeepSeeks Suche kennt, liegt keine auf Stufe 1 oder 2, aber auch nur zwei auf Stufe 4 (Bayer und Deutsche Börse) – fast alle liegen auf Stufe 3. Behörden liegen bei gleicher Verlinkung und Bekanntheit sehr viel häufiger auf Stufe 4, Ratgeber- und Vergleichsportale deutlich seltener als Marken. Für DeepSeek ist eine Marken-Website solide, aber nicht die erste Adresse. Und nicht jede eigene Adresse ist gleich: Bei fast jeder vierten Marke aus unserer Liste (39 von 163) fanden wir mindestens eine eigene Subdomain, etwa für Blog, Shop oder Presse, die tiefer eingestuft ist als die zugehörige Hauptseite, bei den DAX-Konzernen bei 3 von 39. Drei MDAX-Unternehmen fanden wir in DeepSeeks Suche gar nicht: Für die Domains von Aroundtown, LEG Immobilien und TKMS lieferte die Abfrage keinen einzigen Treffer.
Liegt www.firma.de auf Stufe 3, der Blog unter blog.firma.de aber auf Stufe 2, gilt jeder Blogbeitrag für DeepSeek als weniger maßgeblich als die Website selbst. Unter www.firma.de/blog trüge er die Stufe der Hauptseite, denn die Stufe gilt je Hostname.
Ob DeepSeek eine umgezogene Seite sofort so einstuft, haben wir nicht getestet.
Anders bei der Länderendung: In einer kleinen Erhebung vorab mit 26 Weltmarken, die sowohl eine eigene .de als auch eine .com betreiben, lagen 23 auf beiden Domains auf derselben Stufe, meist Stufe 3. Deutsche Inhalte unter marke.com/de/ trugen in allen 26 geprüften Fällen die Stufe der .com. Ob eine Marke in Deutschland unter .de oder .com auftritt, macht für DeepSeek also kaum einen Unterschied.
Ein Google-Spitzenplatz schützt nicht
Für dieselben 120 Anfragen haben wir auch die Google-Treffer erfasst und nachgesehen, welche Stufe DeepSeek den Websites gibt. Ein Drittel der Websites in Googles Top 3 liegt bei DeepSeek auf Stufe 2 oder tiefer, 6 % der Google-Treffer kennt DeepSeeks Suche gar nicht. In DeepSeeks eigenen Top 10 liegen dagegen nur 7 % der Treffer auf Stufe 2 oder tiefer:
Auffällig ist vor allem die höchste Stufe: Bei DeepSeek stammt mehr als jeder vierte Treffer der ersten zehn von einer Website auf Stufe 4, bei Google weniger als jeder zehnte. Innerhalb von Googles Top 10 macht die DeepSeek-Stufe kaum einen Unterschied: Websites, die DeepSeek auf Stufe 1 oder 2 einordnet, stehen bei Google im Schnitt auf Platz 5, Websites auf Stufe 3 oder 4 durchschnittlich nur etwa einen halben Platz weiter vorn. Und die Überschneidung ist gering: Von den 710 verschiedenen Websites in Googles Top 10 tauchen 498 bei denselben Anfragen nicht unter DeepSeeks ersten 50 Treffern auf.
Wer bei Google vorn steht, kann bei DeepSeek also trotzdem als wenig autoritativ gelten. Das passt zu einem Befund, den wir schon bei anderen KI-Systemen gesehen haben: YouTube und Reddit gehören dort zu den meistzitierten Quellen („Fast jedes dritte KI-Zitat“) – bei DeepSeek stehen beide auf Stufe 2. Jedes System hat seine eigene Vorstellung davon, welche Quelle zählt.
Deutsche Behörden seltener ganz oben
Bei den Info-Anfragen (etwa „erkältung symptome“) haben wir die ersten zehn Treffer mit deutschem und US-amerikanischem Standort verglichen. In den USA stammen 54 % aus Quellen der höchsten Stufe, in Deutschland 42 %. Statistisch gesichert ist dieser Unterschied nicht – unsere vorab formulierte Erwartung, dass deutsche Treffer seltener auf Stufe 4 liegen, hat sich damit nicht bestätigt. Aufschlussreich ist, woher die Lücke kommt. Dafür gibt es zwei mögliche Gründe: Entweder liefert DeepSeek in Deutschland andere Arten von Quellen, etwa weniger Behörden und mehr Unternehmensseiten. Oder dieselben Arten von Quellen werden unterschiedlich eingestuft. Unsere Auswertung zeigt: Es liegt vor allem an der Einstufung. Die Art der Quellen ist in beiden Ländern fast gleich, Behörden liefern jeweils knapp 40 % der Treffer. Unterschiedlich ist die Einstufung, und zwar fast nur bei den Behörden:
Hinweis: Die Aufschlüsselung nach Art der Quelle war nicht vorab geplant und ist rein beschreibend. Kaufanfragen sind nicht enthalten; dort stammen ohnehin nur wenige Treffer aus Quellen der höchsten Stufe (6 % in Deutschland, 10 % in den USA).
Bei Unternehmen und Redaktionen liegen beide Länder nahe beieinander, ein Nachteil deutscher Unternehmens-Websites zeigt sich nicht. Auch über alle Websites hinweg werden US-Websites bei gleicher Verlinkung und Bekanntheit nicht nachweisbar höher eingestuft. Am Ort der Suche liegt es nicht: In einem Vortest war die Stufe von 40 Websites bei Abfragen ohne Standort, aus Deutschland, den USA und China in allen Fällen gleich. Eingestuft werden also die Websites selbst. Warum deutsche Behörden seltener auf Stufe 4 stehen, lässt sich mit unseren Daten nicht beantworten: Ein eindeutiger Einfluss der Domain-Endung (etwa .gov gegenüber .de) zeigt sich nicht, sobald man die Verlinkung berücksichtigt.
Behauptung: „Wer viele Besucher hat, gilt auch bei DeepSeek als Autorität.“
Einordnung: Nein. Die Besucherzahlen aus Chrome hängen mit der Stufe kaum zusammen (Rangkorrelation 0,08), die Verlinkung deutlich stärker (0,39). Bei gleicher Verlinkung, Bekanntheit und gleichem Alter liegen Websites mit mehr Besuchern sogar eher etwas tiefer. Das heißt nicht, dass Besucher schaden – aber Reichweite allein geht nicht mit einer höheren Stufe einher.
Behauptung: „Wer bei Google oben steht, ist auch für DeepSeek vertrauenswürdig.“
Einordnung: Nicht unbedingt. 33 % der Websites, die Google für dieselben Suchanfragen unter die ersten drei Treffer setzte, liegen bei DeepSeek auf Stufe 2 oder tiefer, 6 % aller Google-Treffer kennt DeepSeeks Suche gar nicht. In DeepSeeks eigenen Top 10 liegen dagegen 92 % auf Stufe 3 oder 4.
Behauptung: „Die Stufe bewertet einzelne Inhalte.“
Einordnung: Nein. Die Stufe gilt für die ganze Website (genauer: den Hostnamen) und ist für alle Inhalte darauf gleich, ob Pressemitteilung, Profil oder Fachbeitrag. Bei 6.060 Websites war sie nur zweimal uneinheitlich, und alle 778 Websites aus unserer Vorstudie wenige Tage zuvor hatten dieselbe Stufe.
Behauptung: „Mit einem Wikidata-Eintrag steigt die eigene Stufe.“
Einordnung: Das zeigen unsere Daten nicht. Websites mit Wikidata-Eintrag liegen häufiger oben, doch der Eintrag ist eher ein Zeichen von Bekanntheit als ihre Ursache. Wikidata nimmt Organisationen nur mit belegbarer Relevanz auf; Einträge ohne solche Belege können gelöscht werden. Sinnvoll ist, einen vorhandenen Eintrag korrekt zu halten, etwa mit der richtigen offiziellen Website.
Behauptung: „DeepSeeks Chat wählt seine Quellen nach dieser Stufe aus.“
Einordnung: Das ist nicht belegt. DeepSeek schreibt, dass Websuche und Such-API von derselben hauseigenen Suchmaschine betrieben werden. Ob und wie die Stufe im Chat gewichtet wird, sagt DeepSeek nicht. Belegt ist der Zusammenhang mit der Rangfolge der Suchtreffer selbst.
Die eigenen Kanäle prüfen: Mit der Such-API lässt sich für jede Website die Stufe abfragen (eine Suche mit „site:“ und der Adresse genügt). Kosten: 0,75 US-Dollar je 1.000 Abfragen. Das zeigt, wie DeepSeek die eigene Website, eigene Subdomains wie blog.firma.de oder presse.firma.de und die genutzten Plattformen einordnet. Unterseiten wie firma.de/blog tragen dieselbe Stufe wie die Website selbst. Bei fast jeder vierten Marke in unserer Liste lag mindestens eine eigene Subdomain tiefer als die Hauptseite.
Wichtige Aussagen dort veröffentlichen, wo sie Gewicht haben: Studien, Preise, Konditionen und Stellungnahmen gehören auf die etablierte eigene Website statt auf neue Microsites und, wo es passt, in Medien und Fachportale auf Stufe 3 oder 4. Profile und Plattformen bleiben wichtig für Reichweite – als alleiniger Ort für zentrale Aussagen taugen sie für DeepSeek weniger.
Bekanntheit belegen statt Reichweite zeigen: Verlinkung durch andere Websites, Erwähnungen in Medien und ein korrekter Eintrag in offenen Wissensdatenbanken hängen mit höheren Stufen zusammen. Das sind keine Schalter, sondern Ergebnis von Bekanntheit – fehlerhafte oder fehlende Angaben lassen sich aber prüfen und mit Belegen korrigieren.
Google und KI-Suchen getrennt beobachten: Eine gute Position bei Google sagt wenig darüber, wie eine KI-Suchmaschine die Quelle einordnet. Wer KI-Sichtbarkeit misst, sollte die Quellen je System ansehen.
DeepSeeks Autoritätsstufe
Ein Wert von 0 bis 4, den DeepSeeks Such-API zu jedem Treffer ausgibt (dazu −1 für unbekannt); in unserer Messung kamen nur die Stufen 1 bis 4 vor. Ab Stufe 3 gilt eine Quelle laut DeepSeek als besonders maßgeblich („highly authoritative“). Die Stufe gilt für den ganzen Hostnamen und war in unserer Messung sehr stabil. Wie sie berechnet wird, legt DeepSeek nicht offen.
41 der 67 Plattformen, die DeepSeeks Suche kennt, liegen auf Stufe 1 oder 2: Facebook auf 1; Instagram, TikTok, YouTube, Reddit, Trustpilot, kununu, de.linkedin.com und die deutschen Presseportale auf 2. Auf Stufe 3 liegen www.linkedin.com, Wikipedia, GitHub, Gastbeitragsportale wie t3n und die internationalen Presseverteiler.
Fast alle DAX- und MDAX-Hauptseiten liegen auf Stufe 3, nur zwei auf Stufe 4 (Bayer und Deutsche Börse). Bei fast jeder vierten Marke in unserer Liste liegt mindestens eine eigene Subdomain wie blog.firma.de tiefer als die Hauptseite. Unterseiten wie firma.de/blog tragen dagegen die Stufe der Hauptseite.
Am stärksten mit Verlinkung und Bekanntheit: Websites mit vielen Verweisen, einem Wikidata-Eintrag der Organisation und älterer Domain liegen häufiger oben. Mit Besucherzahlen hängt die Stufe kaum zusammen. Das sind Zusammenhänge, keine nachgewiesenen Ursachen.
DeepSeeks eigene Websuche, Apps mit DeepSeeks Such-API sowie Claude Code und Codex, wenn man sie statt mit Anthropic bzw. OpenAI mit DeepSeek als Anbieter betreibt. Apps, die nur das DeepSeek-Modell nutzen und ihre Quellen über eine andere Suchmaschine beziehen, sind nicht betroffen. Ob der Chat die Stufe zur Quellenauswahl nutzt, sagt DeepSeek nicht.
Mit einer Suche „site:“ plus Hostname über DeepSeeks Such-API; jeder Treffer enthält die Stufe. Die API kostet seit 1. November 0,75 US-Dollar je 1.000 erfolgreiche Abfragen.
Im zweitägigen GEO-Webinar ordnen wir ein, wie KI-Suchen Quellen auswählen – und wie Sie Sichtbarkeit in KI-Antworten beobachten.
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