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01.10.2026 · AI Search & Visibility

Local GEO ist vor allem Local SEO: Was 4.298 Betriebe aus 7 Branchen über KI-Empfehlungen verraten

Michael MohauptVon Michael Mohaupt
Local GEOLocal SEOMeasurement

Welche Zahnarztpraxis, welche Kanzlei, welchen Heizungsbauer nennt eine KI, wenn jemand nach dem besten Anbieter in seiner Stadt fragt? Offene Rohdaten aus sieben Branchen erlauben einen seltenen Blick darauf, was genannte Betriebe von den übrigen unterscheidet. Wir haben die veröffentlichten Vergleichswerte aller sieben Branchen nachgerechnet und auf ihre Belastbarkeit geprüft. Die kurze Antwort: Was für KI-Sichtbarkeit oft empfohlen wird – Berufstitel, Zertifikate, strukturierte Daten –, unterscheidet die genannten Betriebe nicht. Was sie unterscheidet, kennt man aus der lokalen Suche seit Jahren: Präsenz im ganzen Web, nicht auf der eigenen Startseite. Der deutlichste Hinweis darauf ist ausgerechnet ein Merkmal, das eine KI-Empfehlung unmöglich selbst auslösen kann.

≥ 90 %der 123 erfassten lokalen KI-Antworten verweisen auf das Google-Unternehmensprofil – in jeder untersuchten Branche
0 von 7Branchen, in denen Berufstitel oder Zertifikate einen erkennbaren Unterschied machen

Bei lokalen Anfragen zählt, wie bekannt ein Betrieb ist – nicht, was auf seiner Startseite steht.

Auf einen Blick
  • →Offene Rohdaten zu 4.298 Betriebs-Websites aus sieben lokalen US-Branchen – von Zahnarztpraxen über Kanzleien bis zu Sanitär- und Heizungsbetrieben – zeigen, was Betriebe gemeinsam haben, die Googles KI-Suche (Google AI Mode) auf die Frage „bester Anbieter in Stadt X“ nennt. Andere KI-Systeme wie ChatGPT wurden nicht untersucht.
  • →In allen sieben Branchen verlinken genannte Betriebe häufiger auf Instagram und YouTube, je nach Branche um 7 bis 25 Prozentpunkte. Ähnlich durchgängig: ein breiteres Leistungsangebot, ein Blog, Online-Buchung.
  • →Berufstitel und Zertifikate unterscheiden genannte von nicht genannten Betrieben in keiner Branche erkennbar. Strukturierte Daten (Schema) zeigen kein einheitliches Bild: Von 54 Schema-Vergleichen sind nur zwei belastbar – einer positiv, einer negativ.
  • →Das auffälligste Indiz ist ein Signal, das eine Empfehlung unmöglich selbst auslösen kann: ein installiertes Analyse-Werkzeug. Es spricht dafür, dass KI eher professionell geführte, aktive Betriebe nennt – und die einzelnen Signale Symptome davon sind, keine Stellschrauben.
  • →Die einfachste Erklärung für alle Befunde: Bei lokalen Anfragen greift die KI offenbar weitgehend auf dieselbe Grundlage zurück wie die klassische lokale Suche – Bekanntheit und Präsenz des Betriebs. Local GEO ist damit vor allem Local SEO.
  • →Die Daten sind eine Momentaufnahme aus den USA (September 2026), korrelativ und nicht ursächlich. Sie zeigen ein Muster, keine Anleitung.
Die Datenbasis

Sieben Branchen, eine Frage, eine Momentaufnahme

Die Frage an Google AI Mode
best dentist in Portland, ME

Beispiel nach dem Original-Muster, sinngemäß: „Bester Zahnarzt in Portland, Maine?“ Dieselbe Frage wurde einmal pro Stadt gestellt, jeweils für die eigene Branche: über 500 meist mittelgroße US-Städte, sieben Branchen, September 2026.

Diese eine Frage hat die US-Agentur KKV Labs zwischen dem 8. und 15. September 2026 Google AI Mode gestellt, in jeder Stadt einmal und für sieben lokale Branchen: Med Spas (ästhetische Praxen), Zahnarztpraxen, Chiropraktik, Kanzleien für Personenschäden, Dachdecker, Heizungs- und Klimabetriebe sowie Sanitärbetriebe. In den Tagen danach wurden die Websites der Betriebe vor Ort automatisch ausgelesen. So entsteht ein seltener direkter Vergleich: 1.138 Betriebe, die die KI nannte, gegenüber 3.160, die sie nicht nannte – insgesamt 4.298 auswertbare Websites.

Die Daten weisen für jeweils über hundert Merkmale pro Branche – von der Website-Plattform über Social-Media-Links bis zu Berufstiteln und Zertifikaten – aus, wie häufig jedes davon bei genannten und bei nicht genannten Betrieben vorkommt. Es ist die erste Ausgabe einer neuen, monatlich geplanten Reihe – frühere Ausgaben, an denen sich die Methode schon hätte bewähren können, gibt es nicht. KKV Labs hat daraus selbst einen Branchenvergleich erstellt. Gerade weil die Reihe so neu ist, haben wir die Werte nachgerechnet, für jeden Unterschied geprüft, ob er statistisch belastbar ist, und die Social-Media-Merkmale einbezogen, die im Branchenvergleich von KKV Labs nicht vorkommen. KKV Labs betont für alle Vergleiche: Sie zeigen einen Zusammenhang am Stichtag, keine Ursache.

Was genannte Betriebe gemeinsam haben

Mehr Kanäle, mehr Leistungen, mehr Inhalte

Der robusteste Befund zieht sich durch alle sieben Branchen: Betriebe, die die KI nennt, verlinken auf ihrer Website häufiger auf Instagram und YouTube – bei beiden Kanälen in allen sieben Branchen in dieselbe Richtung. Nach strenger Korrektur für Mehrfachtests ist der Unterschied bei Instagram in fünf Branchen einzeln belastbar, bei YouTube in drei, und in sechs von sieben Branchen bei mindestens einem der beiden Kanäle. Nur bei Zahnarztpraxen reicht die kleine Stichprobe dafür nicht. Bei Heizungsbetrieben und Chiropraktik liegt der Unterschied bei Instagram bei rund 25 Prozentpunkten, bei YouTube in fünf Branchen bei 12 bis 20 Prozentpunkten.

Instagram-Link auf der Website: Vorsprung genannter Betriebe in Prozentpunkten (7 lokale US-Branchen, Sept. 2026)
Heizung & Klima+25 pp
Chiropraktik+24 pp
Dachdecker+14 pp
Kanzleien (Personenschäden)+13 pp
Sanitär+13 pp
Med Spas+8 pp
Zahnarztpraxen+7 pp

Fast ebenso durchgängig ist ein zweites Muster: Genannte Betriebe beschreiben ein breiteres Leistungsangebot. Bei Zahnarztpraxen bieten 76 % der genannten Praxen sichtbar Aligner-Behandlungen an, gegenüber 51 % der übrigen; bei Kanzleien nennen genannte Kanzleien deutlich mehr Fallarten, bei Med Spas mehr Behandlungen. Dazu kommen ein Blog oder Ratgeberbereich (Zahnarztpraxen +18, Chiropraktik +23, Heizungsbetriebe +21 Prozentpunkte) und eine Online-Buchung (Sanitär +23 Prozentpunkte).

Das aufschlussreichste Indiz

Ein Signal, das nichts bewirken kann

Ein Merkmal fällt aus der Reihe, weil es eine KI-Empfehlung unmöglich selbst auslösen kann: der Google Tag Manager, ein unsichtbares Werkzeug zur Einbindung von Analyse- und Marketing-Skripten. Er ist in allen sieben Branchen bei genannten Betrieben häufiger installiert, bei Kanzleien (+21), Heizungsbetrieben (+23) und Sanitärbetrieben (+16 Prozentpunkte) auch nach strenger Prüfung deutlich. KKV Labs nennt ihn im eigenen Branchenvergleich als größten und konsistentesten Unterschied und spricht von grundlegender „Marketing-Hygiene“ – keine Wunderwaffe, sondern solides Handwerk.

Wir lesen den Befund noch einen Schritt anders. Kein KI-System empfiehlt einen Heizungsbauer, weil auf seiner Website ein Tracking-Container läuft. Der Tag Manager ist deshalb weniger eine Hygiene-Maßnahme, die man nachholen könnte, als ein Stellvertreter für etwas anderes: eine professionell betreute Website, oft mit Agentur oder Marketingverantwortlichen im Hintergrund. Genau so dürften sich auch die übrigen Muster lesen lassen. Betriebe, die aktiv Marketing betreiben, haben eher Social-Media-Kanäle, einen Blog, eine Online-Buchung und ein ausführlich beschriebenes Angebot – und sie sind online insgesamt präsenter, besser bewertet und häufiger erwähnt. Die KI greift auf diese Präsenz zurück. Die einzelnen Website-Merkmale sind Symptome eines aktiv geführten Betriebs, keine Hebel, die man isoliert umlegen kann.

Für diese Lesart sprechen weitere Merkmale, die einzeln klein sind, aber in nahezu allen Branchen in dieselbe Richtung zeigen. Genannte Betriebe haben eher eine gewachsene Website: häufiger WordPress (in allen sieben Branchen), seltener Baukasten-Seiten wie Wix (in allen sieben seltener) oder Duda, seltener sehr dünne Seiten unter 100 KB und häufiger ein aktuelles Copyright-Jahr im Footer. Sie zeigen häufiger die Anzahl ihrer Bewertungen auf der Startseite (in allen sechs Branchen, in denen das erfasst wurde, in drei davon belastbar). Und sie haben häufiger Werbe-Tracking installiert: neben dem Tag Manager auch Google-Ads-Conversion-Tags und Anruf-Tracking. Das Bild ist jedes Mal dasselbe: ein Betrieb, in dessen Online-Auftritt jemand regelmäßig Zeit und Geld steckt.

„Die Daten zeigen keinen Hebel, sondern einen Zustand: KI nennt die Betriebe, die ohnehin sichtbar arbeiten und über die im Netz gesprochen wird. Local GEO ist vor allem Local SEO – und dafür gab es nie eine Abkürzung.“ — Dr. Michael Mohaupt, rethink.expert
Die naheliegende Erklärung

Local GEO ist vor allem Local SEO

Wer aus der lokalen Suchmaschinenoptimierung kommt, wird von diesem Muster kaum überrascht sein. Google nennt für die lokale Suche seit Jahren drei Kriterien: Relevanz, Entfernung und Bekanntheit. Bekanntheit – im Englischen „prominence“ – beschreibt Google selbst als das Maß, wie bekannt ein Betrieb ist, gestützt unter anderem darauf, wie viele Websites auf ihn verlinken und wie viele und wie gute Rezensionen er hat. Ein aktiv geführter Betrieb mit Social-Media-Kanälen, Blog und breitem Angebot ist in genau diesem Sinn bekannter.

Dass Google AI Mode in nahezu jeder lokalen Antwort auf das Unternehmensprofil verweist, passt ins Bild: Die KI scheint bei lokalen Anfragen weitgehend auf dieselbe Grundlage zurückzugreifen wie die klassische lokale Suche. Belegt ist das mit diesen Daten nicht, aber es ist die einfachste Erklärung für alle Befunde zusammen. Und sie erklärt auch, warum die GEO-typischen Empfehlungen hier ins Leere laufen: Strukturierte Daten, FAQ-Blöcke und sichtbar platzierte Expertise-Signale zielen darauf, Inhalte für ein Sprachmodell zitierfähig zu machen. Bei der Frage nach dem besten Betrieb in der Stadt entscheidet aber offenbar weniger, was auf der Website steht, als wie präsent der Betrieb insgesamt ist.

Was keinen Unterschied macht

Berufstitel und Zertifikate

Eine verbreitete Empfehlung für KI-Sichtbarkeit lautet, Expertise über Berufstitel und Zertifikate sichtbar zu machen. Die Intuition ist plausibel – in diesen Daten lässt sie sich aber nicht bestätigen, und KKV Labs weist für mehrere Branchen selbst darauf hin. Bei Heizungsbetrieben sind Lizenzangaben, Berufszertifikate und Jahre im Geschäft zwischen genannten und nicht genannten Betrieben praktisch gleich verteilt, bei Sanitärbetrieben ebenso. Herstellerzertifikate bei Dachdeckern zeigen ein gemischtes Bild ohne klare Richtung.

Bei Zahnarztpraxen und Med Spas tragen genannte Praxen ihren Berufstitel sogar etwas seltener sichtbar auf der Website. KKV Labs liest daraus für Zahnarztpraxen einen umgekehrten Zusammenhang: Wer den Titel zeigt, werde eher seltener genannt. Diese Deutung hält einer Prüfung aber nicht stand: Bei Zahnarztpraxen stehen nur 84 genannte Praxen zur Verfügung, und bei über hundert gleichzeitig verglichenen Merkmalen pro Branche sind Unterschiede dieser Größe auch per Zufall zu erwarten. Die belastbare Aussage ist schlichter: Berufstitel und Zertifikate unterscheiden genannte von nicht genannten Betrieben in keiner der sieben Branchen erkennbar.

Ähnlich ergeht es zwei weiteren Klassikern. „near me“ irgendwo auf der Startseite – ein bekannter Local-SEO-Kniff – macht im Schnitt über alle sieben Branchen keinen Unterschied. Und Werbeversprechen wie ein kostenloser Kostenvoranschlag, Service noch am selben Tag, Zufriedenheitsgarantien oder Preisangaben zeigen kein einheitliches Bild: mal etwas häufiger bei genannten Betrieben, mal seltener. Bei Sanitärbetrieben werben genannte Betriebe sogar deutlich seltener mit Service am selben Tag.

Strukturierte Daten

Schema ist kein Unterscheidungsmerkmal

Kaum eine Empfehlung für KI-Sichtbarkeit ist so verbreitet wie die, die eigene Website mit strukturierten Daten (Schema.org) auszuzeichnen – als LocalBusiness, mit FAQ-Blöcken, mit Angaben zu Personen und Bewertungen. Die Daten erfassen 54 solcher Schema-Merkmale über alle sieben Branchen. Belastbar sind davon genau zwei, und sie zeigen in entgegengesetzte Richtungen: Bei Dachdeckern haben genannte Betriebe häufiger überhaupt strukturierte Daten (+11 Prozentpunkte), bei Med Spas seltener ein FAQ-Schema (−4). Alle übrigen Vergleiche sind klein und uneinheitlich. Besonders deutlich wird das beim FAQ-Schema, das in vielen GEO-Leitfäden als Pflicht gilt:

FAQ-Schema auf der Website: Unterschied genannte gegenüber nicht genannten Betrieben in Prozentpunkten (7 lokale US-Branchen, Sept. 2026)
Zahnarztpraxen+5 pp
Dachdecker+1 pp
Chiropraktik+1 pp
Kanzleien (Personenschäden)−1 pp
Med Spas−4 pp
Heizung & Klima−6 pp
Sanitär−8 pp

Eine naheliegende Erklärung passt zum Gesamtbild: Bei lokalen Anfragen braucht Google die strukturierten Angaben einer Website kaum, weil es sie bereits hat – aus dem Unternehmensprofil, in dem Betriebe Adresse, Öffnungszeiten, Kategorie und Leistungen selbst pflegen und in dem die Bewertungen gesammelt werden. Schema auf der Website wäre dann weitgehend doppelt. Belegt ist das nicht, aber es würde erklären, warum ausgerechnet die meistempfohlene technische GEO-Maßnahme hier keinen Unterschied erkennen lässt.

Das heißt nicht, Schema zu entfernen. Es hilft weiterhin bei erweiterten Suchergebnissen und möglicherweise bei anderen Fragetypen und anderen KI-Systemen. Gemessen wurde nur die Startseite, nur Googles KI-Suche und nur die Frage nach dem besten Anbieter vor Ort. Für diese Frage aber gilt: Wer Zeit in Schema steckt statt in das Unternehmensprofil, setzt den Schwerpunkt an der falschen Stelle.

Durchgängig häufiger bei genannten Betrieben
Aktive Social-Media-PräsenzInstagram und YouTube in allen sieben Branchen in dieselbe Richtung, teils über 20 Prozentpunkte Vorsprung.
Breiteres LeistungsangebotMehr beschriebene Behandlungen, Fallarten oder Services – deutlich bei Zahnarztpraxen, Kanzleien, Med Spas, Chiropraktik.
Blog, Online-Buchung, FinanzierungsseiteJe nach Branche unterschiedlich ausgeprägt, aber stets in dieselbe Richtung.
Kein erkennbarer Unterschied
Berufstitel und ZertifikateIn keiner Branche belastbar, mal leicht positiv, mal leicht negativ.
Strukturierte Daten (Schema)54 Schema-Vergleiche, nur zwei belastbar – einer positiv, einer negativ.
Link aufs Google-ProfilNur +1 bis +8 Prozentpunkte, in keiner Branche belastbar. Wichtig ist das Profil selbst, nicht der Link darauf.
Woher die KI ihre Angaben nimmt

Profil und Website – fast immer beides

Ein zweites, kleineres Datenset aus derselben Quelle zeigt, welche Quellen Google AI Mode in 123 dieser lokalen Antworten tatsächlich verlinkte (rund 20 Antworten pro Branche, sechs Branchen). Das Google-Unternehmensprofil – also der Eintrag des Betriebs, der in Google Maps und in der Google-Suche erscheint – ist in 90 bis 100 % der Antworten verlinkt, die Website des genannten Betriebs in 70 bis 100 %. Daneben zitiert die KI je nach Branche unterschiedliche Verzeichnisse: Juristen-Portale wie Justia und Super Lawyers bei Kanzleien, Arzt- und Bewertungsportale wie Zocdoc und Healthgrades bei Zahnarztpraxen und Chiropraktik, Handwerkerportale wie Angi bei Dachdeckern.

Mit rund 20 Antworten pro Branche ist die Stichprobe klein: Schon eine einzige Antwort mehr oder weniger verschiebt den Wert um etwa fünf Prozentpunkte. Die Zahlen zeigen deshalb eine Richtung, keine exakten Anteile. Aber die Richtung ist eindeutig: Der Eintrag bei Google Maps ist die verlässlichste Einzelquelle, die eigene Website bleibt aber fast immer Teil der Antwort. Es geht nicht um das eine oder das andere.

Wie wenig die eigene Website für die Nennung entscheidet, zeigt eine weitere Zahl aus den Berichten von KKV Labs: Insgesamt nannte die KI in allen Städten 2.620 Betriebe, in die Website-Auswertung konnten aber nur 1.138 davon eingehen. Ein Teil der übrigen blockierte den Crawler, vor allem aber ließ sich vielen genannten Betrieben überhaupt keine Website zuordnen. KKV Labs hebt das beispielsweise für Sanitärbetriebe hervor: Dort gilt es für mehr als die Hälfte der genannten Betriebe (53 %). Bei Heizungsbetrieben sind es 43 %, bei Zahnarztpraxen immerhin noch 31 %. Manche dieser Betriebe dürften durchaus eine Website haben – ihre Namen sind nur zu allgemein, um sie eindeutig zuzuordnen. Aber ein erheblicher Teil der KI-Empfehlungen kommt offenbar ohne auffindbare eigene Website aus und stützt sich auf das Unternehmensprofil.

Reality Check

Behauptung: „Wer Berufstitel und Zertifikate sichtbar zeigt, wird von KI-Systemen eher empfohlen.“

Einordnung: In diesen Daten nicht erkennbar – in keiner der sieben Branchen. Bei Zahnarztpraxen tragen genannte Praxen den Berufstitel sogar seltener hinter dem Namen (37 % gegenüber 48 %), bei nur 84 genannten Praxen und über tausend gleichzeitig verglichenen Merkmalen ist das aber statistisch nicht belastbar. Für Kundinnen und Kunden bleiben Berufstitel trotzdem wichtig – nur als KI-Hebel taugen sie hier nicht.

Behauptung: „Der wichtigste Schritt ist, auf der eigenen Website auf das Google-Unternehmensprofil zu verlinken.“

Einordnung: Der Link selbst macht kaum einen Unterschied: In sechs Branchen liegt der Vorsprung genannter Betriebe bei +1 bis +4 Prozentpunkten, bei Med Spas bei +8 – nach Korrektur für die vielen gleichzeitig geprüften Merkmale ist das in keiner Branche belastbar. Das Unternehmensprofil als solches ist dagegen zentral – es taucht in 90 bis 100 % der erfassten KI-Antworten als Quelle auf. Entscheidend ist also, dass das Profil gepflegt ist, nicht, dass die Website darauf zeigt.

Behauptung: „Ein Instagram- oder YouTube-Kanal sorgt dafür, dass KI den Betrieb empfiehlt.“

Einordnung: Das geben die Daten nicht her. Sie zeigen einen Zusammenhang an einem einzigen Stichtag, keine Ursache. Wahrscheinlicher ist, dass Betriebe mit aktiven Kanälen auch sonst sichtbarer, größer oder etablierter sind – und deshalb genannt werden.

Behauptung: „Strukturierte Daten (LocalBusiness-Schema) sind Pflicht für lokale KI-Sichtbarkeit.“

Einordnung: Kein einheitliches Bild: Bei Kanzleien (−6) und Chiropraktik (−8) haben genannte Betriebe seltener LocalBusiness-Schema, bei Heizungsbetrieben häufiger (+7), bei Sanitärbetrieben gleich oft. Schaden dürfte es nicht – ein Unterscheidungsmerkmal ist es in diesen Daten aber nicht.

Behauptung: „Das gilt für alle KI-Assistenten, also auch für ChatGPT oder Perplexity.“

Einordnung: Das zeigen diese Daten nicht. Untersucht wurde ausschließlich Googles eigene KI-Suche – und dass sie bei lokalen Anfragen auf Googles eigene Unternehmensprofile zurückgreift, ist naheliegend. Andere Assistenten nutzen andere Suchindizes und Quellen. Ob dort dieselben Muster gelten, ist offen.

Behauptung: „Die Ergebnisse lassen sich direkt auf Deutschland übertragen.“

Einordnung: Nur mit Vorsicht. Relevant ist die Frage durchaus: Google AI Mode ist seit Oktober 2025 auch in Deutschland auf Deutsch verfügbar – wie stark er hier für lokale Suchen genutzt wird, ist allerdings offen. Erhoben wurde in US-Städten, ausschließlich in Google AI Mode und mit einem einzigen Fragetyp („bester Anbieter in Stadt X“). Das Muster dahinter – KI greift auf Betriebe zurück, die online aktiv und gut dokumentiert sind – ist plausibel übertragbar, die einzelnen Prozentwerte sind es nicht.

Was das für Unternehmen heißt

Den Betrieb sichtbar machen, nicht die Website tunen

1

Local GEO nicht als neue Disziplin mit eigenen Tricks behandeln, sondern als Fortsetzung guter lokaler Sichtbarkeit: Wer bei der klassischen lokalen Suche bekannt und gut bewertet ist, hat die beste Ausgangslage auch in KI-Antworten.

2

Das Google-Unternehmensprofil als wichtigste Einzelquelle behandeln: vollständig, aktuell, mit echten Fotos, Leistungen und Bewertungen. Es erscheint in nahezu jeder lokalen KI-Antwort.

3

Website und Profil so führen, wie es ein aktiver Betrieb ohnehin tut: das Leistungsangebot vollständig beschreiben, Inhalte aktuell halten, Bewertungen sichtbar machen. Nicht als KI-Hebel – die Daten zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen –, sondern weil genau das einen bekannten Betrieb ausmacht.

4

Kanäle nicht als KI-Taktik anlegen, sondern nur dann, wenn sie tatsächlich betrieben werden: Ein Instagram- oder YouTube-Kanal ohne laufende Inhalte macht einen Betrieb nicht bekannter.

5

Berufstitel und Zertifikate weiter zeigen, wo sie Kundinnen und Kunden helfen – aber nicht erwarten, dass sie die KI-Sichtbarkeit verändern.

6

Branchenverzeichnisse prüfen, die die KI in der eigenen Branche tatsächlich zitiert. Welche das sind, unterscheidet sich je nach Branche deutlich.

Verwandter Gedanke

Die Entität zählt, nicht die einzelne Seite

Dass Googles Bild eines Unternehmens aus Hunderten von Quellen zusammengesetzt wird – und die eigene Website nur eine davon ist –, beschreibt bereits der Insight „793 Quellen für eine Entität“. Die Branchendaten hier passen zu diesem Bild: Was die KI über einen lokalen Betrieb weiß, entsteht aus seiner gesamten Präsenz, nicht aus einzelnen Merkmalen auf der Startseite.

Zur Methode

Verglichen wurde für jedes Merkmal der Anteil bei genannten und bei nicht genannten Betrieben (Differenz in Prozentpunkten) und mit einem Zwei-Gruppen-Test geprüft. Weil über alle Branchen hinweg 1.206 Vergleiche gleichzeitig laufen, wären einige auffällige Unterschiede schon per Zufall zu erwarten. Wir haben deshalb streng korrigiert (Benjamini-Hochberg über alle Vergleiche gemeinsam) und nennen einen Unterschied nur dann belastbar, wenn er diese Korrektur besteht. Zusätzlich achten wir darauf, ob ein Merkmal über die Branchen hinweg in dieselbe Richtung zeigt: Dass das in allen sieben Branchen zufällig passiert, ist nur mit rund 1,6 % Wahrscheinlichkeit zu erwarten – auch wenn die einzelnen Werte klein sind. Die Ausgangswerte liegen auf ganze Prozent gerundet vor, kleine Differenzen sind daher um rund einen Prozentpunkt unscharf. Rund jede zehnte Website blockierte den Crawler und fehlt in der Auswertung. Zudem gehen nur genannte Betriebe ein, denen sich eine Website zuordnen ließ (1.138 von 2.620); Betriebe ohne auffindbare Website sind im Merkmalsvergleich nicht enthalten. Alle Aussagen sind korrelativ: Sie zeigen, was genannte Betriebe gemeinsam haben, nicht, warum sie genannt wurden. Und „kein belastbarer Unterschied“ heißt nicht „kein Effekt“: Bei kleinen Gruppen – etwa nur 84 genannten Zahnarztpraxen – können auch mittelgroße Effekte unentdeckt bleiben.

Vollständige Auswertung zum Nachrechnen: alle 1.206 Vergleiche mit Gruppengrößen, Differenzen, z- und korrigierten p-Werten als CSV, als CSV für deutsches Excel und mit Beschreibung der Methode – oder alles zusammen als ZIP-Paket. Lizenz: CC BY 4.0.

Offenlegung: rethink.expert berät Unternehmen zu KI-Sichtbarkeit und GEO und bietet dazu Webinare an. KKV Labs verkauft KI-Sichtbarkeits-Dienstleistungen für lokale Betriebe. Diese Auswertung ist nicht beauftragt; zwischen rethink.expert und KKV Labs besteht keine Geschäftsbeziehung.

Quellen
Datenbasis: KKV Labs (2026), AI Local Visibility Index datasets, September 2026 edition, Karthik Varma, KKV Labs LLC. doi:10.5281/zenodo.22765584 (sechs Branchen); Sanitärbetriebe und Zitationsquellen aus dem GitHub-Repository (Stand 01.10.2026). Lizenz: CC BY 4.0. Branchenvergleich von KKV Labs: AI Local Visibility Report 2026. Nachrechnung, Signifikanzprüfung, Einbeziehung der Social-Media-Merkmale und Interpretation: rethink.expert. Sie geben nicht zwingend die Sicht von KKV Labs wieder.
Häufige Fragen

KI-Empfehlungen für lokale Betriebe

In offenen Daten aus sieben US-Branchen verlinken genannte Betriebe durchgängig häufiger auf Instagram und YouTube, beschreiben ein breiteres Leistungsangebot und haben häufiger einen Blog oder eine Online-Buchung. Zusammen spricht das für professionell geführte, aktive Betriebe – nicht für einen einzelnen Hebel.

Nach diesen Daten weniger, als oft angenommen. Die Merkmale genannter Betriebe passen zu dem, was Google für die klassische lokale Suche seit Jahren als „Bekanntheit“ beschreibt: wie präsent ein Betrieb im gesamten Web ist. GEO-typische Maßnahmen wie strukturierte Daten oder sichtbare Expertise-Signale machen bei lokalen Anfragen dagegen keinen erkennbaren Unterschied.

Für die Frage nach dem besten Anbieter vor Ort zeigt sich in diesen Daten kein Unterschied: Von 54 Schema-Vergleichen über sieben Branchen sind nur zwei belastbar, einer positiv, einer negativ. Eine naheliegende Erklärung ist, dass Google die strukturierten Angaben bereits aus dem Unternehmensprofil hat. Entfernen sollte man Schema deshalb nicht – der Schwerpunkt gehört aber auf das Profil.

In diesen Daten nicht erkennbar. Berufstitel und Zertifikate unterscheiden genannte von nicht genannten Betrieben in keiner der sieben Branchen belastbar. Für Kundinnen und Kunden können sie trotzdem wichtig sein.

Sehr wichtig als Quelle: Es erscheint in 90 bis 100 % der erfassten lokalen KI-Antworten. Der bloße Link von der eigenen Website auf das Profil macht dagegen in keiner der sieben Branchen einen belastbaren Unterschied.

Nicht als isolierte Taktik. Die Daten zeigen einen Zusammenhang, keine Ursache. Wahrscheinlich sind aktive Kanäle ein Zeichen für insgesamt präsentere Betriebe. Ein Kanal ohne laufende Inhalte dürfte daran nichts ändern.

Nur eingeschränkt. Erhoben wurde in US-Städten, ausschließlich in Google AI Mode und mit der Frage nach dem besten Anbieter in einer Stadt. Das Grundmuster ist plausibel übertragbar, die einzelnen Prozentwerte nicht.

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