Generative Engine Advertising: Wie performt der junge Kanal wirklich?
Mindestens vier unabhängige Tests von ChatGPT Ads liefern völlig unterschiedliche Klickraten – von 0,57 % bis 2,55 %, je nach Quelle, Zeitpunkt und Marktgröße der Stichprobe. Was das für Unternehmen bedeutet, die Generative Engine Advertising (GEA) gerade selbst testen oder eine Investitionsentscheidung vorbereiten – und warum die Streuung selbst die eigentliche Erkenntnis ist.
Beide Werte sind reale Messungen von ChatGPT Ads – nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten, in unterschiedlichen Märkten, mit unterschiedlicher Stichprobengröße. Genau das macht sie schwer vergleichbar – und genau das ist der Punkt.
- →Mindestens vier unabhängige Tests von ChatGPT Ads liefern völlig unterschiedliche Klickraten (Click-Through-Rate, CTR): 0,57 % bis 2,55 %, plus Googles eigener Vergleichswert von 6,4 % für klassische Suchanzeigen.
- →Die Kosten pro Klick (Cost-per-Click, CPC) schwanken ähnlich: von 1,47 € (Deutschland, kleiner Test) bis zu OpenAIs ursprünglicher Empfehlung von 3–5 $.
- →Ein 15-tägiger Test mit 60.000 $ Echtbudget (USA) erzielte einen ROAS (Return on Ad Spend, Umsatz pro eingesetztem Werbe-Dollar) von 1,49x bei 2,35 % Conversion-Rate – bei einer täglichen Schwankung zwischen 0,2x und 2,9x.
- →Der Anteil der ChatGPT-Antworten mit Werbung schwankte zwischen Juni und Juli 2026 zwischen 0,05 % und 51 % – ein Hinweis auf ein noch instabiles Anzeigen-Inventar.
- →Eine Agentur aus der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) mit eigenem Piloten berichtet: Strukturierte, gepflegte Produktdaten bestimmen, was ChatGPT überhaupt ausspielt – dieselbe Feed-Disziplin wie bei Google Shopping entscheidet auch hier über die Anzeigenqualität.
- →Eine andere DACH-Agentur zieht die ehrliche Konsequenz: Nach einer Woche Laufzeit gebe es „keine belastbaren Benchmarks“.
Jeder Test misst etwas anderes – und kommt auf einen anderen Wert
GEA reicht inzwischen über ChatGPT hinaus: Microsoft Copilot hat eigene Anzeigen bereits live, Google testet seit Mai 2026 in AI Mode. Doch nur zu ChatGPT Ads liegen bislang mehrere unabhängige, cross-verifizierbare Testberichte vor – bei Copilot stammt jede kursierende Zahl bislang von Microsoft selbst, bei Google AI Mode gibt es noch gar keine Performance-Daten. Deshalb konzentriert sich dieser Insight auf ChatGPT Ads.
Seit dem Start am 9. Februar 2026 (USA), dem Self-Service-Zugang ab 5. Mai 2026 und dem Rollout auf 31 europäische Märkte am 24. August 2026 – zunächst nur über Agentur-Partner, ab 31. August 2026 auch als Self-Service – haben mehrere unabhängige Agenturen und Analysten eigene ChatGPT-Ads-Kampagnen getestet und ihre Zahlen veröffentlicht. Das Ergebnis ist keine einheitliche Erfolgsgeschichte, sondern ein breites Feld widersprüchlicher Klickraten (Click-Through-Rate, kurz CTR):
Bei den Kosten pro Klick (Cost-per-Click, CPC) zeigt sich dasselbe Bild: OpenAI selbst empfahl zum Start 3 bis 5 US-Dollar CPC bei rund 60 US-Dollar CPM (Cost-per-Mille, Preis pro 1.000 Ausspielungen). Nach der Umstellung auf klickbasierte Gebote im Mai 2026 sank der effektive CPM-Wert auf etwa 25 US-Dollar. Ein 15-tägiger Test mit 60.000 US-Dollar Echtbudget in den USA kam auf einen CPC von 1,72 US-Dollar – deutlich unter der „weithin berichteten“ Spanne von 3 bis 5 US-Dollar –, mit einem ROAS (Return on Ad Spend) von 1,49x, einer Conversion-Rate von 2,35 % und einer täglichen ROAS-Schwankung zwischen 0,2x und 2,9x. Ein deutscher 48-Stunden-Test kam auf 1,47 bis 1,69 Euro CPC, aber auf null Conversions – bei dieser Laufzeit und diesem Budget ließ sich das nicht seriös bewerten.
„A cheaper click that does not convert is not a benchmark worth chasing.“ — Opascope
Selbst die Anzeigen-Verfügbarkeit schwankt stark: Der Anteil der ChatGPT-Antworten, die überhaupt Werbung zeigten, bewegte sich zwischen Juni und Juli 2026 zwischen 0,05 % und 51 % – ein Zeichen dafür, dass auch das Anzeigen-Inventar selbst noch nicht stabil ist.
„Jetzt gewinnt, wer als Erster sauber misst.“ — AdScale Agency
Sieben Monate alt – noch keine Best Practices, noch keine stabilen KPIs
Die Streuung dieser Zahlen ist kein Zeichen mangelnder Sorgfalt der einzelnen Tester – sie ist die logische Folge eines Kanals, der erst seit sieben Monaten existiert und dessen europäischer Self-Service-Zugang gerade einmal wenige Wochen alt ist. Unterschiedliche Zeitfenster, Märkte, Zielgruppen, Produktkategorien und Stichprobengrößen erzeugen automatisch unterschiedliche Ergebnisse – ganz unabhängig davon, wie sorgfältig einzelne Agenturen ihre Kampagnen aufsetzen. Eine DACH-Agentur zieht daraus nach einer Woche eigener Laufzeit die ehrliche Konsequenz, bewusst keine ROAS- oder CPC-Werte zu veröffentlichen: Es gebe schlicht noch keine belastbaren Benchmarks.
Das deckt sich mit einem Muster, das sich durch mehrere unserer eigenen Insights zieht: Eine einzelne Messung ohne Angabe der Schwankungsbreite ist kaum von reinem Rauschen zu unterscheiden – bei einem sieben Monate alten Werbekanal gilt das umso mehr. Genau deshalb führen wir hier bewusst mehrere unabhängige Quellen zusammen, statt eine einzelne eigene Kampagne beizusteuern: Ein sechster Datenpunkt würde das Grundproblem nicht lösen, sondern nur um einen weiteren streuenden Wert ergänzen.
Eine belastbarere Erkenntnis liefert ein anderer DACH-Pilot trotzdem: ChatGPT entscheidet anhand des Produkt-Feeds, welche Angebote es überhaupt in eine Anzeige übersetzt – fehlen strukturierte Daten zu Preis, Verfügbarkeit oder Produktmerkmalen, fehlt dem System die Grundlage für eine passende Ausspielung. Es ist dieselbe Feed-Disziplin, die schon bei Google Shopping über Sichtbarkeit entscheidet, nur auf einen neuen Kanal übertragen.
Behauptung: „Es gibt inzwischen verlässliche CTR-/CPC-Benchmarks für ChatGPT Ads.“
Einordnung: Nein. Die vorliegenden Werte stammen aus verschiedenen Zeitfenstern, Märkten und Stichprobengrößen und schwanken um ein Vielfaches.
Behauptung: „Ein niedriger CPC bei ChatGPT Ads bedeutet, der Kanal ist günstiger als Google.“
Einordnung: Nicht direkt vergleichbar. Die Stichproben sind zu klein und zu unterschiedlich für einen fairen Vergleich, und mehrere Tester betonen ausdrücklich, dass ihre Zahlen nicht verallgemeinerbar sind.
Behauptung: „Wer früh testet, bekommt sofort belastbare Daten.“
Einordnung: Nein. Selbst ein Test mit 60.000 $ Echtbudget zeigt tägliche ROAS-Schwankungen zwischen 0,2x und 2,9x – frühe Tests liefern Richtung, keine Gewissheit.
Eigene Tests explorativ behandeln, nicht als Benchmark
Eigene GEA-Tests sollten als explorativ behandelt werden, nicht als Grundlage für Budget-Hochrechnungen – bei den aktuell bekannten Stichprobengrößen ist die statistische Aussagekraft gering.
Wer testet, sollte mehrere Wochen laufen lassen, bevor belastbare Rückschlüsse gezogen werden – ein 48-Stunden-Test reicht dafür nicht aus.
Produkt-Feed-Qualität taucht bereits jetzt konsistent als Performance-Faktor auf, unabhängig vom Tester – eine der wenigen Erkenntnisse, die sich über mehrere unabhängige Quellen hinweg bestätigt.
Derselbe Kanal, hier aus der Zahlen-Perspektive
Dieser Insight ergänzt „ChatGPT hat jetzt Werbung, aber nicht in jedem Tarif“: Dort ging es um die strukturelle Frage, wen der Kanal überhaupt erreicht. Hier geht es um die Frage, was die ersten Performance-Zahlen tatsächlich hergeben – und die Antwort ist bislang: noch nicht viel Verlässliches.
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