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01.10.2026 · AI Search & Visibility

Je gefragter das Thema, desto offener das Rennen: Was 1.094 ChatGPT-Kategorien über Themenautorität verraten

Michael MohauptVon Michael Mohaupt
GEOTopical AuthorityMeasurement

Nur 15 % von 1.094 untersuchten ChatGPT-Kategorien haben einen klaren Markenführer. Der eigentlich interessante Befund liegt aber woanders: Ausgerechnet die größten, gefragtesten Themen sind am offensten – nicht die kleinen Nischen.

15 %der 1.094 untersuchten ChatGPT-Kategorien haben einen klaren Markenführer
54 %sind komplett offen – keine Marke erscheint in mindestens 3 von 5 repräsentativen Prompts

1.094 US-Kategorien in ChatGPT untersucht, Januar–Juni 2026 – Ergebnis pro Kategorie: Clear Owner, Emerging Leader oder Unsettled.

Auf einen Blick
  • →Eine Analyse von 1.094 US-Kategorien in ChatGPT (Januar–Juni 2026, über 50.000 Marken, 220.000 Domains, 600.000 Zitierungen) untersucht, wie oft einzelne Marken eine Kategorie klar dominieren.
  • →Nur 15 % der Kategorien haben einen „Clear Owner“ (Marke in mind. 4 von 5 Prompts genannt, mind. 5 Prozentpunkte Vorsprung), 31 % einen „Emerging Leader“, 54 % sind komplett offen.
  • →Gegenintuitiv: In der oberen Hälfte nach Suchvolumen liegt der Clear-Owner-Anteil bei nur 11 %, in der unteren Hälfte bei 19 % – je gefragter das Thema, desto offener das Rennen um KI-Sichtbarkeit.
  • →Klassische SEO-Stärke erklärt Themenführerschaft nur schwach: Branded Search Volume, Organic Traffic und Authority Score liegen bei Themenführern im Schnitt nur 48 bis 56 % höher als bei Nicht-Führern.
  • →Wer die Führung einmal hat, hält sie meist: Clear Owner behielten ihre Position in 90 % der Monat-zu-Monat-Vergleiche – bei einem Wechsel lag der neue Vorsprung im Median aber nur bei 1 Prozentpunkt.
Was ist passiert

Drei Stufen von Markenführerschaft in ChatGPT

Semrush hat gemeinsam mit Kevin Indig (Growth Memo) 1.094 US-Kategorien monatlich in ChatGPT verfolgt – Januar bis Juni 2026, Grundlage über 50.000 Marken, 220.000 Domains und rund 600.000 Zitierungen. Jede Kategorie wurde anhand von fünf repräsentativen Prompt-Typen geprüft: Definition, Vergleich, Alternativen, Anwendungsfall und Kaufabsicht. Getrackt wurden dabei Markennennungen im Antworttext selbst, nicht zitierte Quellen. Auf dieser Basis definiert die Studie drei Kategoriestatus: „Clear Owner“ (eine Marke in mindestens 4 von 5 Prompts genannt, mindestens 5 Prozentpunkte vor der nächstplatzierten Marke), „Emerging Leader“ (Marke in mindestens 3 Prompts präsent, aber ohne den nötigen Vorsprung) und „Unsettled“ (keine Marke erreicht auch nur 3 von 5 Prompts).

Das Ergebnis: 15 % der Kategorien haben einen Clear Owner, 31 % einen Emerging Leader, 54 % bleiben unsettled. In gut 85 % aller untersuchten Kategorien ist die Themenführerschaft also noch nicht entschieden oder zumindest nicht gefestigt.

Warum das relevant ist

Das Volumen-Paradox und die Grenzen von klassischem SEO

Der eigentlich gegenintuitive Befund der Studie betrifft die Verteilung nach Suchvolumen: In der oberen Hälfte der Kategorien – also den größten, gefragtesten Themen – liegt der Clear-Owner-Anteil bei nur 11 %. In der unteren Hälfte sind es 19 %. Je größer und wertvoller ein Thema, desto seltener hat es bereits einen klaren KI-Marktführer – vermutlich, weil hohe Nachfrage auch mehr konkurrierende Marken anzieht, die sich gegenseitig die Führung streitig machen.

Clear-Owner-Anteil nach Suchvolumen der Kategorie
Obere Hälfte (größte, gefragteste Themen)11 %
Untere Hälfte (kleinere Nischen)19 %

Ebenso aufschlussreich ist, was Themenführerschaft nicht zuverlässig erklärt: klassische SEO-Stärke. Branded Search Volume, Organic Traffic und Authority Score liegen bei Themenführern im Schnitt nur 48 bis 56 % höher als bei Nicht-Führern – ein messbarer, aber schwacher Zusammenhang. Kevin Indig, der die Studie bei Growth Memo mitverantwortet, bringt es in seiner Analyse auf den Punkt:

„Treat that as a hypothesis, not a finding. What the data actually shows is: traditional SEO metrics aren't enough to explain who owns a topic.“ — Kevin Indig, Growth Memo

Einmal erreichte Führung ist dabei relativ, aber nicht absolut stabil: Clear Owner behielten ihre Position in 90 % der Monat-zu-Monat-Vergleiche. Kam es dennoch zu einem Führungswechsel, lag der Vorsprung des neuen Spitzenreiters im Median nur bei 1 Prozentpunkt – knapp genug, dass sich ein Wechsel jederzeit wieder umkehren könnte.

Eine unabhängige BrightEdge-Analyse liefert für eine andere Plattform – Google AI Overviews statt ChatGPT – einen strukturell ähnlichen Befund. Über 16 Monate (Mai 2024 bis September 2025, neun Branchen) wuchs die Überschneidung zwischen AI-Overview-Zitaten und organischen Google-Rankings zwar von 32 % auf 54 % – der Zuwachs kam aber überwiegend nicht von Top-10-Plätzen: Nur 17 % der Zitate stammen aus den Top 10, das Gros aus Positionen 21 bis 100. Die Überschneidung schwankt zudem stark nach Branche: Healthcare (75 %), Education (73 %) und B2B Tech (71 %) liegen deutlich vorn, E-Commerce bleibt mit 23 % nahezu unverändert. Auch hier gilt also: Wer bereits ganz oben rankt, hat keinen automatischen Vorteil bei der KI-Zitation – entscheidend ist eher die Präsenz im relevanten Themenfeld überhaupt, nicht die exakte Ranking-Position.

Reality Check

Behauptung: „Wer bei klassischem SEO stark ist (hohe Autorität, viel Traffic), führt automatisch auch die passende ChatGPT-Kategorie an.“

Einordnung: Nur schwach belegt. Branded Search Volume, Organic Traffic und Authority Score liegen bei Themenführern im Schnitt lediglich 48 bis 56 % höher als bei Nicht-Führern – ein Zusammenhang, aber kein verlässlicher Vorhersagefaktor.

Behauptung: „Die größten, gefragtesten Themen sind in KI-Antworten längst von etablierten Marken besetzt.“

Einordnung: Das Gegenteil zeigt die Studie: In der oberen Hälfte nach Suchvolumen haben nur 11 % der Kategorien einen klaren Marktführer, in der unteren Hälfte 19 %. Je größer das Thema, desto offener das Rennen.

Behauptung: „Wenn man einmal die Themenführerschaft erreicht hat, ist ein Verlust dieser Position unwahrscheinlich.“

Einordnung: Größtenteils richtig, aber nicht garantiert: Clear Owner behielten ihre Position in 90 % der Monat-zu-Monat-Vergleiche. Bei einem Führungswechsel lag der Vorsprung des neuen Führers im Median jedoch nur bei 1 Prozentpunkt – ein knapper Umschwung bleibt möglich.

Behauptung: „Nur Top-10-Rankings werden für KI-Zitate berücksichtigt, tiefere Platzierungen bringen nichts.“

Einordnung: Das Gegenteil zeigt eine unabhängige BrightEdge-Analyse zu Google AI Overviews: Nur 17 % der Zitate stammen aus Top-10-Ergebnissen, das Gros aus Positionen 21 bis 100. Wichtige Einschränkung: Das bezieht sich auf eine andere Plattform (Google AI Overviews statt ChatGPT) und einen älteren Zeitraum (bis September 2025), lässt sich also nicht 1:1 auf die Semrush-Zahlen übertragen.

Was das für Unternehmen heißt

Offene Kategorien gezielt besetzen

1

Statt allein auf klassische SEO-Kennzahlen zu vertrauen, gezielt zwei bis drei relevante ChatGPT-Kategorien mit „Emerging“- oder offenem Status identifizieren – dort ist der Hebel am größten.

2

Hochvolumige, stark nachgefragte Themen nicht meiden, weil sie „schon besetzt wirken“ – laut Studie sind sie tendenziell sogar offener als kleinere Nischen.

3

Wer die Führung erreicht, sollte den Vorsprung aktiv verteidigen – Tiefe vor Breite, Präsenz in Reviews, Foren und Fachpublikationen, starke Entity-Signale. Die 90-%-Persistenzrate ist kein Selbstläufer, sondern Ergebnis kontinuierlicher Pflege.

Verwandter Gedanke

Markennennung ist der Anfang, nicht das Ziel

Dass eine Markennennung in einer KI-Antwort noch keinen GEO-Erfolg bedeutet, zeigt der Insight „Von der passenden Seite zur Markennennung“. Diese Studie ergänzt das um eine zeitliche Dimension: Auch wer die Markennennung erreicht, muss die daraus resultierende Themenführerschaft aktiv verteidigen – Monat für Monat.

Häufige Fragen

Themenautorität in ChatGPT

Eine Kategorie ist ein enger Themen-Cluster wie „payroll software“ oder „small business banking“, keine breite Branche. Pro Kategorie prüft die Studie fünf standardisierte Prompt-Typen – Definition, Vergleich, Alternativen, Anwendungsfall, Kaufabsicht – und schaut, welche Marken darin genannt werden. Die 1.094 ist schlicht die Anzahl der für diese Studie ausgewerteten Kategorien aus Semrushs bestehendem AI Visibility Toolkit. Die genauen Auswahlkriterien und eine vollständige, öffentlich einsehbare Kategorienliste legt Semrush nicht offen – der volle Datensatz bleibt im eigenen, kostenpflichtigen Tool.

Nur 15 % von 1.094 untersuchten US-Kategorien haben einen „Clear Owner“. 31 % haben einen „Emerging Leader“, 54 % sind komplett offen.

Clear Owner: eine Marke wird in mindestens 4 von 5 repräsentativen Prompts genannt und liegt mindestens 5 Prozentpunkte vor der nächstplatzierten Marke. Emerging Leader: Marke in mindestens 3 Prompts präsent, aber ohne den nötigen Vorsprung. Unsettled: keine Marke erreicht auch nur 3 von 5 Prompts.

Nur schwach. Branded Search Volume, Organic Traffic und Authority Score liegen bei Themenführern im Schnitt nur 48 bis 56 % höher als bei Nicht-Führern – ein Zusammenhang, aber kein verlässlicher Vorhersagefaktor.

Größtenteils stabil, aber nicht garantiert: Clear Owner behielten ihre Position in 90 % der Monat-zu-Monat-Vergleiche. Bei einem Wechsel lag der Vorsprung des neuen Führers im Median nur bei 1 Prozentpunkt.

Laut einer unabhängigen BrightEdge-Analyse zu Google AI Overviews nicht: Nur 17 % der Zitate stammen aus Top-10-Ergebnissen, das Gros aus Positionen 21 bis 100. Die Analyse bezieht sich auf eine andere Plattform als die Semrush-Studie (Google AI Overviews statt ChatGPT), zeigt aber ein ähnliches Muster – Ranking-Stärke allein erklärt KI-Sichtbarkeit nur begrenzt.

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