Wer nicht im Browser lebt, verschwindet aus der Statistik: Was Website-Traffic-Anteile bei Chatbots wirklich messen
Aktuelle Traffic-Daten zeigen ChatGPT wieder klar vorn, Gemini auf dem Rückzug – gemessen wird dabei aber nur, was im Browser passiert. Warum ausgerechnet Chatbots mit dem größten Vorsprung als Assistent außerhalb des Browsers davon am stärksten unterrepräsentiert werden.
Beide Zahlen erfassen ausschließlich Browser-Aufrufe – nicht die Nutzung über Apps oder als Assistent direkt im Betriebssystem.
- →Aktuelle Traffic-Daten zeigen ChatGPT beim Website-Traffic-Anteil unter Chatbots wieder deutlich vorn: 55,5 % (zuvor 52,7 %), vor Google Gemini mit 25,6 % (zuvor 27,8 %), Claude mit 9,3 %, DeepSeek mit 3,4 %, Grok mit 2,4 %, Copilot mit 1,6 % und Perplexity mit 0,9 %.
- →Über ein Jahr betrachtet (Similarweb, Juni 2025 bis Mai 2026) sank ChatGPTs Anteil von rund 76 % auf etwa 53 %, während Gemini von unter 9 % auf rund 27–28 % und Claude von knapp 2 % auf nahezu 9 % stieg.
- →Gemessen wird dabei ausschließlich, was im Browser passiert – Nutzung über Apps oder als OS-integrierter Assistent fällt heraus.
- →Dieser Ausschnitt trifft nicht alle gleich: Wer wie Gemini als Standard-Assistent im Betriebssystem verankert ist, dürfte in einer reinen Web-Traffic-Kennzahl strukturell unterrepräsentiert sein.
ChatGPT baut Web-Traffic-Vorsprung wieder aus
Aktuelle Traffic-Daten von Similarweb zeigen ChatGPT beim Website-Traffic-Anteil unter Chatbots wieder deutlich vorn: 55,5 % in den vergangenen drei Monaten, gegenüber 52,7 % im Vorquartal. Google Gemini verliert im selben Zeitraum von 27,8 % auf 25,6 %. Dahinter folgen Claude mit 9,3 %, DeepSeek mit 3,4 %, Grok mit 2,4 %, Copilot mit 1,6 % und Perplexity mit 0,9 %.
Die Werte für „vor einem Jahr“ stammen aus einem separaten Similarweb-Bericht (Juni 2025) und sind hier auf ganze Prozentpunkte gerundet, um mit den aktuelleren Zahlen vergleichbar zu bleiben. Claudes Web-Traffic-Anteil stieg damit von knapp 2 % über rund 9 % im Mai auf 9,3 % im August und hat sich zuletzt kaum noch verändert. Für DeepSeek, Grok, Copilot und Perplexity gibt es in keiner der beiden Quellen einen historischen Vergleichswert – nur die aktuellen Anteile von oben.
Gemessen wird der Chatbot, nicht der Assistent
Diese Zahlen erfassen, was im Browser passiert – nicht, was als Assistent direkt im Betriebssystem oder in einer App stattfindet. Der Unterschied ist mehr als technisch: Ein Chatbot, den man über eine Website aufruft, und ein Assistent, der als Standardfunktion im Smartphone oder in Produktivitäts-Tools eingebettet ist, konkurrieren um dieselben Nutzerbedürfnisse, hinterlassen aber sehr unterschiedliche Spuren in einer Web-Traffic-Messung. Gemini ist auf Android vorinstallierter Standard-Assistent, tief in Suche, Gmail und Workspace integriert – ein erheblicher Teil seiner Nutzung dürfte deshalb nie einen Browser durchlaufen. Ein browserzentriertes Produkt wie ChatGPT wird von genau dieser Messmethode dagegen vollständiger erfasst.
Die Rangfolge beschreibt damit zuverlässig, wer beim Web-Traffic vorn liegt. Ob sie auch beschreibt, wer bei der Gesamtnutzung vorn liegt, lässt sich mit diesen Daten allein nicht beantworten.
Behauptung: „Diese Zahlen zeigen den echten Marktanteil der Chatbots.“
Einordnung: Nein – gemessen wird ausschließlich Website-Traffic, App- und OS-Nutzung bleiben außen vor.
Behauptung: „Gemini verliert gegenüber ChatGPT an Boden.“
Einordnung: Nur beim gemessenen Web-Traffic belegt, nicht bei der Nutzung als Assistent.
Behauptung: „Claude ist jetzt der drittgrößte Chatbot.“
Einordnung: Nur beim Web-Traffic-Anteil – App- und API-Nutzung fehlen.
Welcher Kanal wird eigentlich gemessen?
Sichtbarkeits-Budget nicht blind nach Web-Traffic-Anteilen verteilen – ein Standard-Assistent wie Gemini könnte relevanter sein, als reine Browser-Zahlen nahelegen.
Bei jeder Chatbot-Statistik lohnt sich die Frage, welcher Kanal gemessen wird (Web, App, API, OS-Integration) und wessen Nutzung dadurch herausfällt.
Zeitreihen nur innerhalb desselben Kanals vergleichen – ein sinkender Web-Traffic-Anteil kann auch Kanalverschiebung zur eigenen App bedeuten, nicht zwingend sinkende Gesamtnutzung.
Eine Messgröße erfasst nur einen Ausschnitt der Nutzung
In diesem Insight zeigt sich dieselbe Struktur wie im Insight „Je heikler das Thema, desto größer die Lücke“: Eine einzelne Messgröße erfasst nur einen Ausschnitt realer Chatbot-Nutzung – dort bei Gesprächsinhalten, hier bei Marktanteilen.
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